Sa

16

Aug

2014

So schnell vergeht ein Jahr

Wie die Zeit verfliegt! Am Montagabend nehmen wir den Nachtbus nach Kunming, am Mittwoch fliegen wir nach Hongkong und Donnerstag morgen kommen wir dann in Frankfurt am Flughafen an. Und dann ist unser Jahr in China schon vorbei - irgendwie ging das doch ganz schön schnell!

Unsere letzten zwei Wochen in Lanping haben wir genutzt um uns noch einmal mit ein paar Freunden zu treffen: manche waren wir zu Hause besuchen und konnten dadurch die Umgebung Jindings nochmal besser kennenlernen, andere haben wir zu uns nach Hause eingeladen, um mit ihnen einen deutschen Abend zu verbringen und mit wieder anderen haben wir gemeinsam chinesisch gekocht - leckere JianJiao =) Auch unser Schulleiter hat uns zum Abschluss zum Essen eingeladen und uns zwei Abschiedsgeschenke, chinesische Thermoskannen für Tee, gegeben. Außerdem waren wir noch einmal in den heißen Quellen schwimmen, haben uns unsere Nachbarstadt YunLong angeschaut und haben eine sehr entspannende Blindenmassage ausprobiert. Projektarbeit gibt es momentan kaum noch, lediglich ein paar Texte fürs Tourismusprojekt korrigieren, ein letztes Mal die Hygieneboxen leeren und ein skypen mit den neuen Freiwilligen, die ab September unseren Platz einnehmen werden. Nach Lanping kommen wohl dieses Jahr 6 Jungen, während Gongshan und Fugong leider gar nicht mehr besetzt werden, dafür werden aber zwei neue Provinzen das erste Mal von Baumhaus mit Freiwilligen versorgt.

Ansonsten hatten wir die letzten Tage natürlich auch viel damit zu tun, die Wohnung auf Vordermann zu bringen und alles für die Abreise vorzubereiten. Heute haben wir unsere Koffer gepackt und waren total überrascht als wir festgestellt haben, dass wir weit unter der eigentlichen Gepäckgrenze bleiben. Vielleicht gehen wir ja die nächsten Tage noch ein bisschen shoppen =)
Morgen abend laden wir dann unsere Freunde zu einem Abschiedsessen ein und nachdem wir das letzte Mal mit den Minderheiten getanzt, den ErWuShan bestiegen und bei unserer Tibeterin gefrühstückt haben, werden wir nach Kunming aufbrechen. Sicherlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn wo viele schöne Dinge und eine tolle Erfahrung zu Ende gehen, erwarten uns auch viele liebe Menschen und einmalige Ereignisse in Deutschland.

Somit möchten wir uns auch von euch verabschieden: vielen Dank fürs Lesen, Fotos gucken und Gästebuch schreiben. Einen besonders großen Dank an all diejenigen, die uns über das Jahr mit leckeren Köstlichkeiten aus Deutschland versorgt haben! Bald sind wir wieder bei euch =)

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Mo

11

Aug

2014

Ein paar Dinge, die in China anders laufen (Teil 2)

Wie verbringen Chinesen eigentlich ihre Freizeit?

Und was gilt in China als höflich und was als unhöflich?

Wollt ihr mehr darüber erfahren? Dann klickt hier.

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Fr

08

Aug

2014

Unsere letzten Reisen

Die vorangegangen beiden Wochen haben wir noch ein letztes Mal mit ein wenig Reiserei in Gongshan und anschließend in Liuku in der Summer School verbracht. Unser Weg nach Gongshan war ein sehr langwieriger und anstrengender Prozess mit über 16 Stunden Busfahrten über 2 Tage hinweg verteilt. Endlich am Zielort angekommen, machten wir uns gleich daran ins nahe gelegene BingZhongLuo aufzubrechen, wo wir die malerischen Berghänge und Täler der Region bewundern konnten. Auf den Pfaden der alten Tea Horse Road, die hier in die Felswand geschlagen wurde, fanden wir ein süßes kleines Dorf mit einer alten Wassermühle. Außerdem haben wir eine der zahlreichen katholischen Kirchen der Region entdeckt, denn obwohl in Gongshan viele Tibeter wohnen, sind diese nicht etwas Buddhisten, sondern doch tatsächlich Christen! Anscheinend wurden sie mal von französischen Missionaren besucht… Am nächsten Tag folgte dann das Highlight der Reise, das Dulong-Tal. Diese Gegend wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und die dort ansässige Dulong-Minderheit (ca. 5.000 Menschen) war bis dahin vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Das merkt man besonders daran, wie unangetastet doch weite Teile der Landschaft sind, die einen mit atemberaubenden Schluchten und Wasserfällen beeindruckt. Hier lebt noch ein knappes Dutzend alter Frauen, deren komplettes Gesicht tätowiert wurde – warum genau dies geschah weiß niemand, aber es wird vermutet, dass diese Entstellung zum Schutz gegen tibetische Stämme dienen sollte, die eventuell Frauen aus dem benachbarten Tal geraubt haben. Das Dulong-Tal macht im Morgennebel einen sehr mysteriösen Eindruck und wir können uns glücklich schätzen es noch gesehen zu haben, bevor die ganze Region dem Tourismus geöffnet wird. Nach unserem Ausflug ins Tal machten wir uns noch eine schöne Zeit in Gongshan selbst und besuchten eine der, unter Freiwilligen, berühmten Tibeter-Bars. Hier spielt sich jeden Abend ein Programm aus Showeinlagen, Minderheitentänzen und Tanzmusik ab und man sitzt normalerweise selten lange allein am Tisch. Nach Gongshan machten wir uns auf nach Liuku, um dort in der Summer School auszuhelfen. Die Summer School ist ein Programm für die lokalen Slumkids, welche wir versuchen einzuschulen. Die Bewohner der Slums haben oft zu viele Kinder (in China herrscht ja immer noch die Ein-Kind-Politik), sodass sich die meisten von ihnen keine zusätzlichen Geburtsurkunden leisten können. Ohne diese haben die Kinder keine Chance auf eine, vom Staat finanzierte, Schulbildung. Wir Freiwilligen versuchen daher über Spenden das benötigte Geld für diese Kinder aufzutreiben, um ihnen die Schulgebühren bezahlen zu können. Zusätzlich unterrichten wir sie, mit Hilfe chinesischer Lehrer, in der Summer School, um herauszufinden, welche Kinder bereits eingeschult werden können oder welche noch zu schlecht Chinesisch sprechen (die meisten sprechen nur ihre Minderheitensprache) oder aus anderen Gründen noch nicht bereit sind, in die Schule zu gehen. Die Kinder waren zwar teils wild und frech, aber konnten auch unglaublich süß und lieb sein. Unser Alltag bestand vor allem darin, die Kinder zur Schule zu bringen und auf sie aufzupassen, während die chinesischen Lehrer den Unterricht übernommen haben – ab und zu mussten wir aber dennoch ganz spontan einspringen, da die Lehrer schon mal ohne Vorwarnung einfach gefehlt haben. So kam es dann, dass wir nicht nur Englisch, sondern auch Mathe, Sport, Kunst und sogar Chinesisch unterrichtet haben! Mittags mussten wir mit einer Rasselbande von fast 50 Kindern eine kleine Weltreise hinlegen, um sie zu einem Restaurant zu führen und im Anschluss aufpassen, dass sie während der Schlafenspause auch keinen Unsinn machten. Außerdem haben wir natürlich versucht, ihnen Körperhygiene ein bisschen näher zu bringen und haben deswegen immer sehr aufs gemeinsame Zähneputzen, Händewaschen und zweimal die Woche auch Haarewaschen geachtet. Den Kindern hat das auch großen Spaß gemacht, da wir sie in der Mittagshitze immer mit dem Schlauch abspritzen konnten. Ich denke, den ein oder anderen haben wir auf jeden Fall auch längerfristig fürs Waschen (und Putzen!) begeistern können. Leider konnten wir gegen den starken Läusebefall vieler Kinder nichts ausrichten, da die Läuse in den Slums so verbreitet sind, dass die Kinder sie sich sowieso schnell wieder einfangen würden. Unsere Woche in der Summer School war zwar manchmal anstrengend, aber insgesamt eine tolle Erfahrung. Und an zwei Nachmittagen haben wir sogar frei bekommen, sodass wir das Freibad und den großen, goldenen Buddha besuchen konnten. Nach Feierabend haben wir uns dann meistens mit den anderen Freiwilligen getroffen und haben auch einige Abschiede gefeiert, da sich viele von uns jetzt bald schon auf in Richtung Heimat machen. Wir freuen uns auf jeden Fall noch auf unsere letzten zwei Wochen in China und dann natürlich auch sehr darauf, wieder zu Hause zu sein =)

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Mo

21

Jul

2014

Besuchen und besucht werden

Inzwischen haben wir Ende Juli und es ist nur noch ein knapper Monat, bis wir uns auf den langen Weg nach Deutschland machen werden. Aber in unseren letzten Wochen waren wir nicht untätig, denn wir haben Marissa, eine Freundin aus Deutschland, einen kleinen Teil von China gezeigt und haben selbst auch noch etwas mehr von diesem Land erkundet, nämlich Beijing und Xi'an.

Zu aller erst haben wir Marissa in Lijiang abgeholt und ihr die Stadt, in der wir inzwischen zum fünften Mal waren, näher gebracht. Hier hat sie ihre ersten Erfahrungen mit der chinesischen Lebensweise gemacht und wir fühlten uns daran erinnert, wie fremd das doch auch für uns noch zu Anfang war. Die ziemlich deluxen öffentlichen Toiletten Lijiangs waren für sie erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber wir wussten ja bereits, was sie noch in Jinding erwarten würde :D

Im Anschluss ging es nach Dali, die Stadt in der wir unser gemeinsames Weihnachtsfest verbracht hatten, wo wir noch einmal leckere deutsche Brötchen essen konnten - vorrangig haben wir aber natürlich Marissa die chinesische Küche gezeigt, als nur westlich mit ihr Essen zu gehen :P Neben leckerem Essen haben wir noch eine kleine Bootstour über einen nahen See gemacht und uns von Fischen die Füße massieren lassen.

Unsere dritte Anlaufstelle war Jinding, wo wir Marissa unser aktuelles zuhause zeigen konnten. Wir waren zusammen beim Indoor-Barbecue, haben den ErWuShan bestiegen und wurden zwei mal ins KTV eingeladen. Den Abschluss ihres zweiwöchigen Besuches bildeten die Weiterreise ins tibetische Shangri-la, hin zu den schönen Kalkterassen von BaiShuiTai und die Besichtigung der Tigersprungschlucht. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß dabei Marissa einen kleinen Teil Chinas zu zeigen und hoffen, dass es ihr genau so viel Spaß gemacht hat =)

Nach dem Besuch aus Deutschland machten wir uns daran Sarah, eine deutsche Freundin in Beijing, zu besuchen. Nachdem wir am Vorabend erst um 3 Uhr Nachts in Sarahs Wohnung eingetroffen waren, ging es am nächsten Tag aber bereits früh los, um die Große Mauer zu besteigen. Trotz schlechten Wetters hatten wir eine schöne Zeit auf der Mauer und konnten neben dem touristischen Teil auch den eigentlich nicht öffentlichen Teil, da verfallen, begehen und eine Aussicht ins Tal genießen. In den nächsten Tagen schauten wir uns den wunderschönen Sommerpalast an, der um einen groß angelegten See gebaut wurde und wanderten im Himmelstempel umher, in dem Ninja auch ein kleines Fotoshooting mit ihrem neuen Kleid bekam. Während unserer Zeit in Beijing konnten wir in Sarahs WG unterkommen und neben einer richtigen Dusche noch eine Waschmachine und eine Klimaanlage genießen - der Himmel =)

Bei einem Besuch in Beijing darf natürlich die Verbotene Stadt nicht fehlen und so machten wir uns eines Montages dorthin auf, um erschreckend festzustellen, dass wir wohl einen der besucherreichsten Tage des Jahres erwischt hatten. Eine geschlagene halbe Stunde mussten wir anstehen um unsere Tickets zu bekommen und innen war es dann ebenfalls sehr voll. Dennoch konnten wir ein paar schöne Bilder machen und uns die Kaiserstadt genauer ansehen. Beijing zeigte sich während unseres Besuches übrigens von seiner besten Seite und so mussten wir so gut wie keinen Smog ertragen und hatten fast jeden Tag bestes Wetter. Eigentlich hatten wir uns diese große Stadt auch wesentlich turbulenter, lauter und enger vorgestellt, aber das konnten wir so gar nicht feststellen. Als Abschluss unseres Besuches gönnten wir uns noch die berühmte Pekingente, ein Gericht, bei dem ein Koch direkt neben dem Tisch das Fleisch schneidet und anschließend serviert - sehr lecker!

Nach unserem siebentägigen Aufenthalt setzten wir uns in den Nachtzug nach Xi'an und verbrachten "angenehme" 13 Stunden im Sitzabteil. In der ehemaligen Hauptstadt angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg zur Hauptattraktion, der Terrakotta-Armee. Diese wird in 3 separaten Ausgrabungshallen dargestellt: in der ersten und größten kann man über 1000 Ton-Krieger bestaunen, welche alle individuelle Gesichtszüge, Haarprachten und Rüstungen besitzen. Halle Nummer 2 bietet leider nicht viel zu Sehen, da die Ausgrabungen noch nicht sehr weit fortgeschritten sind, dafür kann man hier aber 5 Figuren aus direkter Nähe betrachten und die feine Arbeit aus kurzer Distanz bestaunen. Halle 3 soll das "Hauptquartier" der Terrakotta-Soldaten darstellen, da man hier Offiziere und Generäle sehen kann und ist damit auch die kleinste der drei Hallen. Nach einer weiteren Grabesbesichtigung verließen wir Xi'an auch bereits wieder und machten uns zurück auf den Weg nach Jinding.

Unsere letzten beiden Monate in China waren angebrochen und die sollten natürlich genutzt werden. Zuerst war die Verabschiedung von Anna und Talitha, die Lanping frühzeitig verlassen wollten, um noch herumzureisen, dran, in deren letzten Woche wir eine Mottowoche starteten. So zogen wir am einen Tag alle chinesische Kleidung, wie Trachten oder Oberteile, an und spielten Majiang und trugen an einem anderen Tag Pyjamas und schauten uns Mulan an. Am Tag des WM-Finales luden wir zum ersten Mal ins KTV ein, um einen schönen Abend mit unseren chinesischen Freunden zu genießen. Nach vielem Gesinge und getrinke ging es schließlich in die nächstgelegene Bar, um gegen 3 Uhr das Spiel und den Sieg Deutschland gegen Argentinien zu feiern. Zwei Tage später mussten wir dann bereits die beiden Mädels verabschieden und seitdem schleicht sich der Aufbruchsgedanke auch bei uns immer wieder ein. Daher wollten wir auch einen Punkt unserer To-Do Liste der Dinge, die wir noch unbedingt machen wollen, abhaken und fragten Jenny, ob sie uns beibringen könnte ein paar traditionelle chinesische Gerichte zu kochen. So lernten wir, dass man vor allem viel Öl, Koreander und Chili benötigt um die meisten Dishes zubereiten zu können. In unserer Ecke hier wird generell mit viel Öl und auf richtig heißer Flamme gekocht, sodass das Essen meist binnen einer Minute fertig ist und eine Wartezeit von fünf Minuten bereits als lang gilt. Wir haben uns ein paar gute Rezepte abgeguckt und hoffen diese auch in Deutschland anwenden zu können. Neben dem lernen, wollte wir auch zeigen und luden Milo zu einem richtig Deutschen Dinner, mit Frikadellen, Kartoffeln mit Sauce, sowie frischem Salat ein. Ganz ungewohnt wurde mit Tellern und Gabeln gegessen und sogar wir waren etwas verwirrt davon, dass man den Teller gar nicht mal so gut hochheben und vor den Mund halten konnte. Als Dessert gab es Schokopudding mit Vanillesauce und auch wenn wir alle drei schon richtig satt waren, hat es uns dennoch sehr gut geschmeckt.

Auch wenn die Schule schon länger vorbei ist, haben wir noch Kontakt zu ein paar Schülern, darunter Tina, eine der englischbegabtesten, die uns zu sich nach Hause zum Essen einlud. Gegen 11 Uhr holte sie uns ab und gemeinsam fuhren wir in ihr 15 Minuten entferntes Dorf, wo wir ihre sehr nette Familie kennen lernen sollten. Ihre Eltern nahmen uns herzlich auf und ihre 9 Monate alte Schwester war einfach nur zuckersüß. Den großteil unserer Zeit verbrachten wir beim Majiangspielen, aber auch die Umgebung des Dorfes haben wir erkundet. Zum Essen gab es am Ende Reisnudeln mit Entenfleisch und wenn wir gewollt hätten, so wären wir willkommen gewesen bei der Familie zu übernachten - so gastfreundlich =)

Am 21. besuchten wir noch das Fackel-Fest in Jinding, bei dem, insbesondere Kinder, mit Fackeln und einer Art Puder, der die Flammen auflodern lässt, herumlaufen und Spaß haben. An manchen Plätzen wird auch um ein größeres Feuer zu Musik getanzt oder an anderen Stellen auch gerne Leute mit den hellen Fackeln erschreckt.

Heute ist es, wie gesagt, kaum mehr ein Monat bis zu unserer Abreise und am kommenden Morgen werden wir uns in die anderen Städte der Freiwilligen, Fugong und Gongshan begeben um auch diese Gegenden kennenzulernen. Danach geht es dann weiter nach Liuku, wo wir die Summerschool mitbetreuen werden, um arme Slumkids für ihren Einstieg in die Schule vorzubereiten und wenn wir wieder zurück nach Jinding kommen, so werden uns nur noch zwei Wochen bleiben, in denen wir versuchen müssen uns von China zu verabschieden...

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Fr

18

Jul

2014

Ein paar Dinge, die in China anders laufen

Klickt hier und erfahrt mehr über ein paar Unterschiede zwischen China und Deutschland.

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Mo

09

Jun

2014

Im Mai ist viel passiert!

Das erste große Ereignis des Monats war die Hygieneaktion und die Kleiderverteilung an der Grundschule in Long Tan. Der Schulleiter hat uns und die Kleidersäcke schon früh morgens abgeholt, sodass wir direkt nach dem Frühstück mit unserer Hygieneaktion beginnen konnten. Zunächst haben wir ein kleines Schauspiel vorgeführt: drei Freiwillige standen in weißen T-Shirts vor den Kindern, denen unsere Übersetzerin in der lokalen Minderheitensprache erklärte, dass dies ihre Zähne seien. Gespannt beobachteten die Kinder dann, wie die böse Karies den Zähnen ganz viele Süßigkeiten gab, die überall an den Zähnen kleben blieben. Und als wäre das nicht schlimm genug, fing die Karies dann auch noch an die Zähne zu verhauen, woraufhin diese vor Schmerzen aufschrien. Zum Glück kam dann aber die rettende Zahnbürste, welche die Karies besiegt und die Zähne wieder sauber geputzt hat. Ich denke, dass Schauspiel hat den Schülern gut gefallen und ihnen spielerisch die Wichtigkeit des täglichen Zähneputzen gezeigt. Das war auch wirklich nötig, denn obwohl die Kinder unter der Woche in der Schule schlafen, sucht man vergeblich nach auch nur einer Zahnbürste in den Schlafräumen. Das haben wir aber zum Glück geändert – nachdem wir die 80 Kinder in 2 Gruppen geteilt hatten, durften die einen spielen gehen, während die anderen jeweils einen Zahnputzbecher, den sie sofort mit ihrem Namen versehen haben, und dann eine Zahnbürste und eine Zahnpasta von uns bekommen haben. Dann ging es los mit dem gemeinsamen Zähneputzen: 3 Minuten lang oben, unten, Kauflächen, außen, innen und am Schluss sogar die Zunge bürsten. Den Kindern schien es Spaß zu machen, sogar so sehr, dass manche nach dem Mundausspülen die Zahnbürsten direkt wieder im Mund hatten :D Dann wurden die Gruppen getauscht und das ganze Spiel ging wieder von vorne los. Nach dem Mittagessen haben wir dann noch Kleider verteilt. Das lief auch sehr geordnet ab, da wir zwei Klassenräume zur Verfügung gestellt bekommen haben, in denen wir unsere Kleidersäcke ausräumen und sortieren konnten. Außerdem waren unsere chinesischen Helfer und die Lehrer vor Ort eine tatkräftige Unterstützung, sodass wir alle sehr zufrieden mit dem Ablauf der Aktion waren.

 

Das nächste Highlight des Monats war der Besuch von Sarah, einer deutschen Freundin von mir, die ich bei meinem Studium in Maastricht kennengelernt habe. Da sie grade ihren Master in Beijing macht, hat sie sich überlegt uns für knapp 2 Wochen im schönen Yunnan besuchen zu kommen. Gemeinsam sind wir dann nach Lijiang gefahren (wo wir ja bereits im Oktober von berichtet haben) und von dort aus in die Tigersprungschlucht. Das ist eine der tiefsten Schluchten der Welt und man braucht 2 Tage alleine um zur Mitte der Schlucht zu wandern. Das haben wir dann auch tapfer gemacht und es hat sich auf jeden Fall gelohnt: der Ausblick auf den Yangtse, der sich durch die hohen Schneeberge windet, war wirklich atemberaubend. De Pfad an sich war auch sehr abwechslungsreich: mal hoch, mal runter, mal durch den Wald und mal über Stock und Stein. Und obwohl wir mit Regen gerechnet hatten, schien den ganzen Tag lang die Sonne und am Ende hatten wir alle einen fetten Sonnenbrand. Am ersten Tag sind wir 7 Stunden gewandert und schließlich müde und glücklich in einem Gasthaus untergekommen. Das Gasthaus ist übrigens sehr zu empfehlen, vor allem für den tollen Ausblick den man von den Freiluft-Toiletten aus genießen kann =) Am nächsten Morgen sind wir dann einmal in die Schlucht runter bis an den Fluss gewandert und im Anschluss wieder die ganze Strecke hinaufgestiegen – zwischendurch mit Hilfe einer sehr hohen, ungesicherten, aber zum Glück nicht allzu langen Leiter. Es war auf jeden Fall ein Abenteuer!

 

Unser nächstes Ziel war Shangri-La, eine tibetische Stadt, deren Altstadt Anfang des Jahres abgebrannt ist. Tatsächlich sieht der alte Stadtkern immer noch sehr verwüstet und verkohlt aus: kein einziges Haus steht mehr und die Häuser am Rand sind auch teilweise etwas schwarz gefärbt und ihnen fehlen oft Teile vom Dach. Man fühlt sich seltsam, wenn man so durch die Asche geht und darüber nachdenkt wie viele Leute in dem Feuer, wenn auch zum Glück nicht ihr Leben, so doch ihre Lebensgrundlage verloren haben. Außerhalb der Innenstadt gibt es aber noch viel zu sehen, weshalb weiterhin viele Touris ihren Weg in diese schöne Bergstadt finden. Wir waren in dem größten Kloster Yunnans, wo heute noch 700 tibetische Mönche leben. Man hat auf den ersten Blick gesehen, dass es kein typisch chinesisches Kloster ist, denn es ist über und über mit Gold verkleidet. Mit ein bisschen Glück haben wir sogar unseren Weg aufs Dach gefunden, von wo aus man einen super Ausblick auf die Umgebung hatte und die riesigen Buddhas und anderen Statuen mal ins Gesicht blicken konnte. Außerdem waren wir bei der vielleicht größten Gebetsmühle der Welt und haben mal ein paar Gebete gedreht =) Natürlich waren wir auch ein bisschen in den Geschäften stöbern, auf dem lokalen Markt und haben versucht möglichst tibetisch zu essen. Leider mussten wir aber feststellen, dass uns der Yak-Käse nicht geschmeckt hat und der Yak-Butter-Tee bei unserer Tibeterin in Jinding immer noch der Leckerste ist.

 

Zurück in Lanping haben wir dann noch mit Sarah ein paar Ausflüge auf den ErWuShan, nach SanChongShan, zum BBQ, zu den Minderheitentänzen und natürlich ins KTV gemacht. Ihr hat der Ausflug „aufs Land“ auf jeden Fall viel Spaß gemacht, sie hat die Berge und die frische Luft genossen, und festgestellt, dass die Chinesen hier ihren Beijinger Dialekt erkennen, von dem sie gar nicht wusste, das sie ihn hatte. Naja, ich nehme mal an, dass wir auch in anderen Teilen Chinas sofort als „Südchinesen“ enttarnt werden würden, schließlich haben die Leute hier auch einen ziemlich starken Akzent, den wir uns inzwischen angewöhnt haben ^^

 

Mit der letzten Mai-Woche kam dann leider auch schon unser letzter Unterricht und die letzten English Corners. Mitte Juni schreiben die Schüler ihre Endjahres-Prüfungen und da von den Ergebnissen der Schüler auch das Gehalt der Lehrer abhängig ist, sind diese natürlich besonders daran interessiert, gezielt die Testinhalte zu lehren. Für unsere letzten Stunden haben wir eine Runde Montagsmaler, ein paar englische Popsongs zum zuhören und verstehen und einen kleinen Dialog zum Thema „Essen bestellen in einem Restaurant“ vorbereitet. Das hat auch alles gut geklappt und den Schülern viel Spaß gemacht. Am Ende der Stunde haben wir uns dann von ihnen verabschiedet und zu unserer Überraschung kamen einige Schüler nach vorne, um uns Abschiedsgeschenke zu geben (z.B. gefaltete Kraniche und Papierherzchen) oder um uns um eine Unterschrift zu bitten. Es war auf jeden Fall eine sehr schöne letzte Unterrichtswoche. In der English Corner verlief der Abschied leider nicht so gut, da in der Woche, in der wir die Corner beenden wollten, Tests geschrieben wurden, von denen uns leider niemand vorher erzählt hatte. So haben wir in der letzten Corner Scrabble gespielt, was zwar auch Spaß gemacht hat, aber wir fanden es schon sehr schade, dass es dann nicht mehr zum angedachten Karaoke singen und Pfannkuchen essen gekommen ist, welches wir uns eigentlich für den Abschied überlegt hatten. Naja, ein paar Schüler kommen uns auch immer noch besuchen, mit ihnen konnten wir dann immerhin singen =)

 

Ende des Monats stand dann für uns ein Skype-Date der besonderen Art auf dem Plan: Radio Euskirchen hat uns interviewt. Was eigentlich als Spendenaufruf gedacht war, wurde dann doch einfach zu einem normalen Interview zusammengeschnitten, aber gut… Wir sind aufgeregt, dass wir es jetzt auch schon ins Radio geschafft haben, nach 9 Monaten des gefühlten Promi-Daseins in China (so mit Fotos, Applaus beim Betreten von Klassenräumen und Autogrammen). Ich hoffe wir kriegen keine Aufmerksamkeitsprobleme, wenn wir wieder in Deutschland sind und sich auf der Straße niemand nach uns umdreht :D

 

Das letzte große Ereignis im Mai war die Besteigung des Xue Bang Shan, dem höchsten Berg in Lanping mit stolzen 4.300 Metern. Das ist immerhin schon halb so hoch wie der Mount Everest und fast so hoch wie der höchste Berg Westeuropas, der Mont Blanc (4.810). Deswegen stand eigentlich schon seit Anfang das Jahres fest, das wir ihn besteigen wollen und am 31. Mai bot sich dann endlich die Gelegenheit: eine Gruppe von 7 Chinesen wollten den Berg mit lokalem Führer bezwingen und unser Freund Milo lud uns und Fidel ein, sie zu begleiten. Zu diesem Anlass zeigten die Chinesen auch Ausnahmsweise mal höchste Pünktlichkeit und Voraussplanung und so starten wir genau um 7 Uhr mit Proviant bepackt unser kleines Abenteuer. Ganze 6 Stunden haben wir bis zum Gipfel gebraucht und der Anstieg war schon teilweise sehr steil und teils auch abenteuerlich, so mussten wir zwischendurch über Bäche und an Felswänden entlang klettern. Aber unsere Mühen wurden belohnt: der Ausblick war wahnsinnig schön, wir haben überraschend viele schöne Blumen gefunden und hatten sogar das Glück auf eine kleine Herde wilder Yaks zu treffen. Am Gipfel angekommen, kam dann eine kleine Enttäuschung, da wir nicht bis zur Spitze hinauf gehen konnten, da die letzten 100 Höhenmeter zu steil waren, um sie ohne Seile und Bergsteigerequipment zu erklimmen. Schade natürlich, aber auch von knapp unter der Spitze war der Ausblick einmalig schön. Nach weiteren 4 Stunden Abstieg, bei dem wir unter Büschen durchgekrochen und mehr geschliddert als gewandert sind, kamen wir endlich glücklich und tierisch müde wieder in Lanping an.

 

Nach 2 Tagen Muskelkater waren wir dann auch wieder fit, um unsere nächste Kleiderverteilung in SanChongShan zu planen. Schon seit Längerem hatten wir uns überlegt auf dem Berg in der Nähe von Jinding zu verteilen, da wir bei jedem Besuch erneut festgestellt haben, wie arm die Leute dort oben sind. Nach ein paar Telefonaten mit dem Dorfvorsteher, einer Kleidersortiersession und einem Treffen mit Milo, der freundlicherweise eingewilligt hatte uns bei der Aktion zu helfen, machten wir uns am 8. Juni mit einem kleinen Laster voller Kleidungssäcke auf den Weg zum Berg. Dort angekommen wartete schon die erste kleine Krise auf uns, denn leider war die Straße so steil, dass unser Laster nicht bis zum Dorf durchfahren konnte. So standen wir mitten auf einer staubigen, unbefestigten Straße, als der Dorfvorsteher uns sagte, die Bewohner würden jetzt hier her kommen, um die Kleidung für sich und ihre Familien abzuholen. Und tatsächlich kamen auch bald die ersten Yi-Frauen den Berg runter und begannen kurzerhand die Säcke vom Laster zu holen, sie aufzureißen und durchzugucken, wobei sie alles, was sie nicht gebrauchen konnten, kurzerhand in den Dreck fallen ließen. Fassungslos standen wir daneben, während sich einfach alle nahmen, was sie wollten und manche Frauen sogar mit ganzen, ungeöffneten Kleidersäcken abzogen. Natürlich haben wir versucht, ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen, war es doch wichtig, dass sich jeder nur so viel nahm, das am Ende für jeden noch was übrig blieb. Dem Dorfvorsteher war das allerdings herzlichst egal und mit den Bewohnern direkt sprechen hatte auch wenig Erfolg, da sie alle der Yi-Minderheit angehören und kein Hochchinesisch sprechen. Eine Stunde später fuhren wir völlig fertig mit den restlichen Kleidungssäcken, die übrig geblieben waren, da nicht alle Familien zur „Verteilung“ gekommen waren, zurück nach Hause. Naja, es war auf jeden Fall eine Erfahrung…

 

Jetzt sitze ich grade auf dem Bett und schreibe noch schnell diesen Eintrag, bevor wir morgen früh nach Lijiang fahren, um dort unsere Freundin Marissa abzuholen, die uns für 2 Wochen aus Deutschland besuchen kommt. Natürlich freuen wir uns schon wahnsinnig auf sie und darauf ihr unser Leben in Jinding, aber auch die Touristenattraktionen in unserer Nähe zu zeigen. Ab dem 26. Juni werden wir dann für 2 Wochen in Beijing sein, um Sarah zu besuchen, und anschließend in Xi’an, die Terrakotta-Armee besichtigen. Das nächste Mal werdet ihr also Anfang Juli von uns hören und dann gibt es wieder viele neue Fotos und hoffentlich einen spannenden Bericht von unseren Reisen =)

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Sa

07

Jun

2014

Der (etwas verspätete) April

Hier der etwas verspätete *räusper* Eintrag zum April :) Wir waren sehr beschäftigt und vielleicht auch ein wenig schreibfaul, sodass es viel auf einmal zu berichten gibt. Zu Beginn des Monats waren wir noch auf dem Zwischenseminar in Liuku. Hier haben wir alle anderen Freiwilligen wieder gesehen und ein volles Programm an Seminaren und Programmpunkten durchgemacht. Daneben hatten wir aber auch etwas Freizeit und wir konnten am Fluss grillen, im KTV singen und oft Werwolf spielen. Ansonsten haben über den Sinn und die Nachhaltigkeit der Projekte diskutiert (ewige, endlose Diskussionen -.-) und über neue Projektideen gesprochen. Beim Brainstorming kam dann bspw. die Idee zum Tourismus-Projekt, bei dem wir beide uns nun engagieren. Hier soll es darum gehen den Tourismus im Nujiang-Tal allmählich zu etablieren, um mehr Geld in die Region zu bringen. Die Gegend wird bereits ab und zu von Touristen besucht und so wäre es ein natürlicher Schritt, das Ganze weiter auszubauen - und da kommen wir ins Spiel: Wir haben uns überlegt, die Region zu bewerben und Publicity zu machen, sowie eine Art Reiseführer zu schreiben, welcher die schönsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung beschreiben soll. Vielleicht wollt ihr euch ja auch mal das Nujiang-Tal anschauen, falls ihr gerade in China seid ;)

Zu Ostern haben wir in der English Corner Eier gefärbt, welche die Schüler dann im Anschluss mitnehmen durften. Das hat ihnen viel Spaß gemacht und davon, dass sie ihre Ostereier behalten durften, waren sie sehr begeistert. Wir haben uns auch noch mit Milo und Anna zum gemeinsamen Osterbrunch getroffen - sehr lecker =)

In dieser Zeit haben wir auch häufig Besuch bekommen: So waren Fabian aus Gongshan und Julia aus Liuku da und wir haben ihnen gleich mal unsere schöne Stadt und ihre Umgebung gezeigt. Mit Fabian zusammen haben wir uns auch selbst in ein KTV eingeladen. Auf der Suche nach Bekannten in einem der KTV-Räume haben uns ein paar angetrunkene Chinesen freudig zu sich hineingewunken. Zu Beginn war es zwar ein wenig komisch, aber danach hatten wir viel Spaß beim gemeinsamen trinken und anstoßen. Julian, unser Projektleiter, hat uns ebenfalls besucht und mit ihm zusammen haben Fidel und ich die Grundschule in Long Tan besucht, einem kleinen Bergdorf ca. 40 Minuten entfernt von Lanping. Dort haben wir 80 Kinder kennengelernt, von denen so gut wie keiner eine Zahnbürste besessen hat. So entstand die Idee, dort eine Hygieneaktion durchzuführen.

Im April waren wir auch das erste Mal auf einer chinesischen Hochzeit eingeladen, zu der uns unser Freund Mike mitgenommen hat. Die Hochzeitsgesellschaft war sehr groß und erstreckte sich über drei benachbarte Haushalte. Die Braut war in ein traditionelles rotes Kleid gehüllt, da rot die Farbe für Wohlstand ist, und war reichlich weiß geschminkt. Außerdem trug sie einen Spiegel um ihren Hals, welcher böse Geister und Unglücke fernhalten soll. Der Bräutigam war ständig damit beschäftigt mit all seinen Gästen anzustoßen und hat uns die Ehre erwiesen, mit ihm an einem Tisch gemeinsam zu essen.

Ninja hat inzwischen das Sticken für sich entdeckt, was hier sehr üblich bei den chinesischen Frauen ist, und ist auch schon sehr weit mit ihrem ersten Bild gekommen. Sie hat sich ein schönes Motiv ausgesucht, welches hier aber aus gewissen Gründen nicht verraten werden darf ;)

Highlight des Monats war eine Einladung von Jenny, die uns mit in einen Tempel zur Feier eines Bai-Festivals genommen hatte. Gemeinsam mit ihrer Familie und anderen, wurde vor Ort gekocht (eine Küche im Tempel, stell sich das einer vor) und gespeist. Die Bai müssen sechs Mal im Jahr einen solchen Tag im Tempel verbringen und gemeinsam mit der Familie feiern. Dieses Mal war noch eine Art Mönch dabei, welche den Familienmitgliedern die Zukunft vorhergesagt hat. Dazu hat sie einen gekochten Hühnerkopf auseinandergenommen und während die weichen Teile gegessen wurden, wurde aus bestimmten Knochen und deren Größe und Form "gelesen", was den Angehörigen in nächster Zeit passieren wird. Ein wirklich interessantes Erlebnis und ein neuer Einblick in die Religiosität der Chinesen.

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Fr

11

Apr

2014

Auf den Straßen Jindings

Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, wie es in Jinding aussieht, dann klickt hier.

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Di

25

Mär

2014

Zurück in Jinding

Nach 5 Wochen Urlaub sind wir jetzt wieder 5 Wochen zurück in Jinding und es ist mal wieder viel passiert diesen Monat. Im neuen Halbjahr unterrichten wir nun die siebten Klassen, die erst seit einem halben Jahr englisch lernen. Bisher klappt das aber recht gut, wir sprechen so oft chinesisch mit ihnen wie möglich und arbeiten viel mit Pantomime und Malen. Unsere Achter sehen wir immer noch in der English Corner, die sich diesen Monat mit den Themen Karneval, "Wer wird Millionär?" und lustigen Staffelläufen beschäftigt hat. Auch die Grundschule in Jinfen haben wir wieder ein paar Mal besucht und unser ausrangierter Weihnachtsschmuck kam wirklich sehr gut bei den Kindern an. Wer hätte gedacht, dass sie sich so über einen Adventskalender im März freuen würden? Ein anderes Mal haben wir ihnen Luftballons mitgebracht und das war auch ein voller Hit: die Kinder haben sie mit Wasser gefüllt und als Basketball-Ersatz benutzt. Ganz schön clever =)

Dank des wahnsinnig schönen Wetters haben wir so viel Zeit wie möglich im Freien verbracht, mit Spaziergängen durch den Park, Picknicks und Erkundungstouren durch Jinding. So haben wir uns schnell den ersten Sonnenbrand des Jahres eingefangen, aber das nimmt man ja gerne in Kauf. Die Projektarbeit ist auch wieder in vollem Gange: unser Kleidercontainer hat einen brandneuen Anstrich in feuerrot bekommen und es gibt ganz schön viel Kleidung zu sortieren, da uns jetzt auch Kleidung von chinesischen Freiwilligen aus anderen Städten zugeschickt wird. Außerdem scouten wir weiter fleißig nach potenziellen Orten für eine Kleiderverteilung oder eine Hygieneaktion.

Anlässlich des internationalen Frauentages, welchem in China mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland geschenkt wird, haben wir mit einigen Lehrerinnen und Lehrern der Minzu in Lanping, ein Picknick auf dem Er Wu Shan gemacht. Das war sehr lustig, wenn auch leider das Essen so scharf war, dass wir außer Brot kaum etwas essen konnten. Die Trinkspiele konnten wir aber mitspielen =)

Am 17. März hat Freddy seinen 25. Geburtstag gefeiert. Zu diesem besonderen Anlass wurde er zu einem schicken Essen und einer anschließenden Übernachtung im besten Hotel der Stadt eingeladen. Es gab sogar eine Badewanne und eine Sauna =) Ein bisschen Luxus, den wir hier in China doch manchmal vermissen... Abends wurden wir dann ins KTV eingeladen, wo ein Chinese ebenfalls seinen Geburtstag gefeiert hat. Nach gemeinsamem Torteanschneiden, ging es dann ans Verzehren, was so aussieht, dass man sich gegenseitig mit der Kuchensahne einschmiert. Eine ganz schöne Matscherei! Am kommenden Wochenende gab es dann noch eine weitere Überraschung: ein Barbecue auf dem Er Wu Shan mit Fleisch, Gemüse, echtem Salat und den anderen vier Freiwilligen aus Lanping.

In der nächsten Woche haben wir Jenny, eine Lehrerin, und ihre Tochter zu einem deutschen Essen eingeladen. Dazu haben wir ein Drei-Gänge-Menü gezaubert, bestehend aus Pfannkuchen, Gemüse in Bechamel-Sauce mit Kartoffelpüree und zum Abschluss Paradies-Creme. Alles hat ihnen (angeblich) sehr gut geschmeckt, auch wenn wir aus Versehen süße Milch gekauft haben, sodass die Mehlschwitze einen eigenartigen Geschmack hatte. Auch das Essen mit Messer und Gabel war für sie etwas ungewohnt. Die Beiden waren sehr überrascht, dass wir so viel mit Milch gekocht haben und glauben nun, dass in Deutschland nur Milchprodukte gegessen werden :D

Ab morgen treffen wir uns mit den 31 anderen Freiwilligen zum Zwischenseminar in Liuku. Vor uns liegt eine Woche voller Workshops, Reflexion und Diskussion, aber auch KTV und Grillen am Strand. Inzwischen sind es auch nur noch 5 Monate bis zum Ende des Abenteuers China und wir können kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was wir noch so alles erleben werden...

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Mo

24

Mär

2014

Wie chinesisch bist du?

Mach hier den Test und finde heraus, wie viel Chinese in dir steckt.

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Sa

22

Feb

2014

Unsere Reise durch China

 

Über das chinesische Neujahr, welches dieses Jahr am 31.01 stattgefunden hat, haben unsere Schüler und somit auch wir 6 Wochen Ferien bekommen. Und wie könnte man die besser nutzen als China ein bisschen zu erkunden? Am 13.01 machten wir uns also schwer bepackt auf, auf unsere 5-wöchige Reise durch Yunnan und drei Nachbarprovinzen - Guizhou, Chongqing und Sichuan. Insgesamt haben wir über 4 Tage (105 Stunden) in Bus und Bahn verbracht, aber das war es auf jeden Fall wert!

 

An der Grenze zu Myanmar

Nach 10 Stunden Busfahrt sind wir endlich an unserem erste Ziel angekommen: Ruili, eine Grenzstadt zu Myanmar im äußersten Westen Yunnans, die vorallem für ihre Jade- und Edelsteinmärkte berühmt ist. Obwohl Ruili anderen chinesischen Städten auf den ersten Blick gar nicht so unähnlich ist, bemerkt man den myanmarischen Einfluss doch, wenn man genauer hinsieht. Männer mit Bärten und langen Röcken laufen durch die Straßen, man sieht Häuser und sogar Schilder mit ganz untypischen überschwänglichen Goldverziehrungen, überall ist der Pfau (das inoffizielle Landestier Myanmars) zu erblicken und neben den chinesischen Schriftzeichen ist eine lustige runde Schrift zu bewundern. Man merkt auch, dass wir jetzt von unserer Hochebene in Jinding in deutlich tiefere Regionen gekommen sind, denn es ist wärmer, überall stehen Palmen und der örtliche Markt hat eine ganz andere Auswahl an Tropenfrüchten zu bieten.

Obwohl uns unser Visa es leider nicht erlaubt China zu verlassen, konnten wir doch einen Ausflug in eine chinesische Handelsstadt innerhalb von Myanmar machen. Die Stadt an sich ist leider eher unspektakulär, aber wir konnten den kleinen Grenzfluss entlang spazieren und einen Blick in den Nachbarstaat werfen. Es hat uns überrascht wie unterschiedlich Myanmare doch im Vergleich zu den Chinesen aussehen, wo wir früher immer dachten, dass sich alle Asiaten doch recht ähneln...

Außerdem haben wir einen Ausflug zu den 17 Dai Pagoden gemacht, wo wir unseren ersten kleinen Dai Tempel besichtigt haben. Die Dai sind eine ethnische Minderheit in China, die eigentlich aus verschiedenen Tai-Volksgruppen besteht. In ihren Tempeln muss man sich die Schuhe ausziehen und im Gegensatz zu den bunt-verzierten chinesischen Tempeln herrschen hier Gelbtöne vor, zusammen mit prächtigen Goldverziehrungen. Die Dai sind zwar ebenfalls Buddhisten, glauben aber an eine strengere, urtümlichere Form des Buddhismus, die im Rest von Südostasien weit verbreitet ist.

 

Von einer hübschen Altstadt ins Wolkenmeer

Der zweite Stopp unserer Reise war ein kleines, idyllisches Dorf in der Nähe eines Berges, den wir zu besteigen gedachten. Nachdem wir ein hübsches Hotel gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg die Altstadt zu erkunden. Neben ein paar mehr oder minder interessanten Museen und kleinen Familientempeln, hat Heshun sehr viele traditionelle Gebäude, Brücken, Pavillions und Tore zu bieten. Außerdem liegt es an einem hübschen See, der sich hervorragend für romantische Abendspaziergänge eignet. Ein wirklich sehr netter Fleck!

Am nächsten Tag nahmen wir dann die Besteigung des Berges in Angriff. In 2 Stunden meisterten wir die 3.000 Stufen bis zum Gipfel und wurden mit einem wahnsinnigen Ausblick belohnt. Direkt auf der Spitze des Berges steht ein taoistischer Tempel, in dem wir erstmal gemeinsam mit den Mönchen und Tempelfrauen zu Abend essen konnten. Hinter dem Tempel fanden wir dann einen abgelegenen Felsvorsprung, von dem aus wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen konnten. Für eine kleine Spende durften wir auch im Tempel übernachten: Ninja bei den Tempelfrauen und Freddy bei den Mönchen in den Schlafräumen. Den Abend verbrachten wir zusammen mit den Frauen, im einzigen durch Feuerschalen beheizten Raum, mit gemeinsamen Basteln und Kriegsfilmschauen. Dass die Chinesen eine besondere Vorliebe für Actionfilme haben, wussten wir ja bereits. Doch die alten, religösen Frauen dabei zu beobachten, wie sie mit den ständig sterbenden Soldaten mitfieberten, war schon ein bisschen surreal.

Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Vom Berggipfel aus erleuchteten die ersten Sonnenstrahlen ein wahres Wolkenmeer im Tal. Doch bis wir wieder am Fuß des Berges angekommen waren, hatte sich der Nebel bereits verzogen und die Sonne stand schon hoch am Himmel.

 

Tropenurlaub

Nach 21 Stunden Busfahrt und einer sehr unbequemen Nacht sind wir an unserem dritten Ziel angekommen: Jinghong, die Hauptstadt der südlichsten Region Yunnans Xishuangbanna. Das erste Mal in unserem Leben haben wir den nördlichen Wendekreis überquert und waren nun in den Tropen - zum Glück in der Trocken- und nicht in der Regenzeit! Natürlich hat es uns in den Urwald gezogen, doch zuerst haben wir uns ein paar Tage gegönnt, um die Hauptstadt zu erkunden und eine Wanderroute zu finden.

Jinghong ist eine wirklich sehr hübsche Stadt - und das will schon was heißen, denn chinesische Städte sind eigentlich nicht für ihre Schönheit bekannt. Doch mit ihrem charmanten südlichen Flair, den ganzen Palmen, kleinen Parks, vielzähligen Elefantenstatuen (in der Nähe gibt es wilde Elefanten) und nicht zuletzt dem schönen Wetter, ist es einfach hier ein paar entspannte Tage zu verbringen. Auch kulinarisch hat Xishuangbanna einiges zu bieten: Reis, der in einer ganzen Ananas gedünstet wird und lecker süß schmeckt; süß-saures thailändisches Essen; jede Menge frisch gepresste Fruchtsäfte und Milchshakes mit allen Tropenfrüchten, die man sich nur wünschen kann; gebratene Bananen und Vieles mehr.

 

Ausflug in den Regenwald

In einem Touristencafe haben wir schließlich eine passende Wanderroute zu einem kleinen Dorf im Dschungel gefunden. Mit der Wegbeschreibung, Proviant und einem Tagesrucksack bewaffnet machten wir uns früh morgens auf den Weg, zuerst mit dem Bus nach Xiding und von dort aus zu Fuß. Als wir nach ca. 3km die weiße Pagode erreichten, wollten wir der Straße nach links folgen, wie es unsere Route voraussah. Nur meinten die in der Nähe stehenden Chinesen, dass Zhanglang nicht links, sondern rechts liege. "Naja, die werden's wissen", dachten wir uns und warfen unsere Wegbeschreibung über Bord. Vorsichtshalber haben wir alle Chinesen, die wir getroffen haben, nach dem Weg gefragt und sie wiesen uns alle in dieselbe Richtung. Und so gingen wir immer weiter das Tal hinab. Die Straße, der wir folgten, wurde langsam kleiner und uns kamen immer weniger Menschen entgegen. Bis wir schließlich ganz unten im Tal angekommen waren, inmitten von Reisfeldern und Teeplantagen. Weit und breit war kein Dorf zu sehen und auch leider niemand mehr, den man nach dem Weg hätte fragen können. Aber Google Maps wies uns ganz eindeutig in Richtung der gegenüberliegenden Bergkette. Nachdem wir uns quer durch die Felder, über einen kleinen Bach und die steile Böschung wieder hinauf geschlagen hatten, bestätigten ein paar Bauern, die gerade ihre Felder am bestellen waren, unsere Befürchtungen: Zhanglang liegt nicht im Tal, sondern auf den Bergen gegenüber von Xiding. Während unsere Route uns schön in einem großen, aber bequemen Bogen um das Tal herumgeführt hätte, haben die Chinesen uns den schnellsten Weg per Luftlinie gezeigt. Und so kam es, dass wir das gesamte Tal wieder hinaufgeklettert sind, nur diesmal komplett querfeldein und teilweise in den Spuren der Ochsen.

Als wir am späten Nachmittag Zhanglang endlich gefunden hatten, waren wir erschöpft, aber glücklich. Das Dorf war wunderschön idyllisch, mit traditionellen Holzhäusern statt den üblichen Betonklötzen, unzähligen Hühnern und Schweinen, die überall frei herumliefen, und umgeben von Regenwald. Zuerst haben wir den Tempel besucht, wo uns kleine Mönchskinder neugierig beobachteten. Dann haben wir einen Dorfbewohner getroffen, der uns angeboten hat die Nacht bei ihm und seiner Familie zu verbringen. Er, seine Frau und seine zwei kleinen Kinder wohnen in einem Haus, das eigentlich nur aus einem Raum besteht, wenn man das offene "Erdgeschoss" nicht zählt, wo die Tiere gehalten werden. Natürlich wurden wir auch direkt bekocht und mit selbstangebautem Tee und selbstgebranntem Schnaps versorgt. Es sollte noch ein lustiger Abend werden an dem wir, trotz Sprachschwierigkeiten, unsere Gastfamilie ein bisschen kennenlernen konnten. Am nächsten Tag haben wir dann die Zeit genutzt den Regenwald etwas zu erkunden. Leider war er nicht ganz so spektakulär wie wir ihn uns vorgestellt hatten - vor allem weil wir in der Trockenzeit da waren, aber vielleicht auch weil Hollywoodfilme uns unrealistische Erwartungen gegeben haben. Auch haben wir keine wilden Tiere gesehen, aber der Wald war sehr schön grün, wild und vor allem groß, mit jeder Menge Bambus und riesigen Urwaldbäumen.

Am Nachmittag haben wir uns dann auf den Rückweg nach Xiding gemacht - diesmal via der bequemeren Route, die aber auch um einiges langweiliger war. In Xiding angekommen, hätten wir dann fast kein Zimmer mehr für die Nacht bekommen, denn das einzige Hotel des kleinen Ortes schien ausgebucht. Zum Glück sind wir dann doch noch in einem Doppelzimmer mit zwei Pekinger Studentinnen aus Amerika und England untergekommen: es sollte nicht die gemütlichste Nacht unserer Reise werden, dafür aber die billigste und auch eine der lustigsten. Am nächsten Morgen haben wir dann den berühmten Donnerstagmarkt Xidings besucht (der Grund weswegen das Hotel ausgebucht war), der allerdings nicht so anders ist als der Jindinger Sonntagsmarkt, abgesehen davon, dass der Tee, Kaffee und Tabak, der hier verkauft wird, auch lokal angebaut wird.

 

Auf der Suche nach Blüten und einem Wasserfall

Unser nächstes Ziel war der botanische Garten in Menglun, denn hier hofften wir dank Bewässerungssystemen die ganzen Blüten zu finden, die wir im Dschungel so vermisst hatten. Und wir wurden nicht enttäuscht: auf einer riesigen Anlage konnten wir die vielfältigsten Arten von Tropenpflanzen bewundern, mitsamt Blüte bzw. Frucht. So gab es Kakteen, Palmen voller Bananen und Kokosnüsse, Bambus, Wein, Wasserpflanzen, Nutzpflanzen wie Kakao-, Kaffee-, und Latexbäume, riesige Urwaldbäume, Schlingpflanzen und Vieles mehr. Am beeindruckensten fanden wir eine Parasitenpflanze, die auf dem Stamm ihres Wirtbaumes wächst, diesen komplett umschlingt und schließlich abtötet, indem sie ihm die Wasserzufuhr abschneidet. Das Resultat ist ein riesiger, gewundener, hohler Baum: Irre!

An unserem letzten Tag in Xishuangbanna sind wir zu einem Wasserfall gewandert. Zufällig haben wir im Hostel zwei chinesische Touristen getroffen, Ben und Kristen, die auch dorthin wollten und so machten wir uns kurzerhand zu viert auf den Weg. Schnell war dann auch ein Tuctuc-Fahrer gefunden, der bereit war uns bis zum Fluss zu fahren - auch wenn im Nachhinein ein Minibus vielleicht die bessere Variante gewesen wäre, da die Fahrt doch länger (und kälter) war als erwartet. Einmal mussten wir sogar alle aussteigen und zu Fuß den Berg runter, da der Fahrer Angst hatte die Bremsen würden bei dem Gefälle und unserem Gewicht nicht funktionieren. Gut im Dorf angekommen sind wir dann dem Fluss für eine Weile stromaufwärts gefolgt, bis sich unser Weg auf einmal in Wohlgefallen aufgelöst hat. Da alle Versuche alternative Wege zu finden, die nicht schon nach kurzer Zeit in eine ganz andere Richtung abbiegen, gescheitert sind, sind wir dann einfach im Flussbett weitergewandert, denn am Rand des Flusses lagen viele Steine und Sand. Allerdings entpuppte sich dieses Unterfangen als nicht ganz so einfach wie gedacht, denn die Steine wurden seltener und so war einiges an Kletterkunst gefragt. Unnötig zu erwähnen, dass bis wir am Wasserfall ankamen, alle mindestens einmal ins Wasser gefallen waren, aber es war ein warmer Tag und niemand hat sich verletzt und somit war das Abendteuer perfekt. Der Wasserfall selber war auch wirklich schön und den Weg auf jeden Fall wert. Nachdem unser Tuctuc-Fahrer uns wieder sicher und todmüde nach Jinghong gebracht hat, hat Ben uns noch alle zum BBQ eingeladen: und mit "alle" meine ich alle, inklusive dem Tuctuc-Fahrer. Dieser war dann auch so nett und hat direkt seine ganze Familie mitgebracht. Lustig sind sie, die Chinesen!

 

In der Hauptstadt Yunnans

Unser letztes Ziel vor dem chinesischen Neujahr war Kunming, die Hauptstadt unserer Provinz. Eigentlich hatten wir uns nicht viel von ihr versprochen, waren nur für 3 Tage da und auch nur auf der Durchreise zu unserem Freund Milo, der uns über das Frühjahrsfest zu seiner Familie in die Nähe von Kunming eingeladen hatte. Aber wir waren überrascht, wie nett unsere Hauptstadt doch ist: belebt, aber nicht gestresst; groß genug für westliche Ketten wie Starbucks und Carrefour, aber klein genug, als das man gemütlich durch die Stadt schlendern kann und nicht ständig den Bus nehmen muss. Außerdem war das Wetter weiterhin sommerlich warm und so verbrachten wir ein paar sehr entspannte Tage in Kunming. Als erstes haben wir den Green Lake Park besichtigt, der vor Leben nur so strotzt: unzählige Möwen, Straßenkünstler, Musik- und Tanzgruppen, Händler und mittendrin natürlich die ganzen Touristen. Der Park besteht aus lauter kleinen Inseln und ist groß genug, als das man auch mal ein ruhiges Plätzchen fernab vom Trubel finden kann. Außerdem haben wir ein paar kleine Tempel besichtigt, waren im Yunnan-Museum, wo wir viele Minderheitentrachten bewundern konnten, bei ein paar Pagoden und natürlich ein bisschen in der Innenstadt und auf dem Nachtmarkt shoppen. Von McFlurry und Pizza bis zu regionalen Spezialitäten haben wir uns durchgeschlemmt und nicht schlecht gestaunt haben wir über den etwas skurrilen Blumen- und Vogelmarkt, der trotz des Namens noch jede Menge andere Tiere, wie Schildkröten, Katzen, Hunde, Schlangen, Spinnen, Skorpione, Fische und Nagetiere im Angebot hatte - leider zumeist in viel zu kleinen Käfigen. Abends haben wir zufällig in unserem Hostel vier weitere Freiwillige getroffen mit denen wir dann einen lustigen Abend mit viel Billiard, Bier und Trinkspielen verbracht haben.

 

Das Jahr der Schlange endet, das Jahr des Pferdes beginnt

Einen Tag vorm chinesischen Silvester sind wir bei unserem Freund Milo und seiner Familie angekommen, wo wir die ersten drei Tage des chinesischen  Neujahrs verbrachten. Obwohl Milo in Lanping arbeitet, kommt seine Familie aus einem kleinen Ort in der Nähe von Kunming, wo sie einen kleinen Bauernhof mit Hühnern, Schweinen und Reis-, Kartoffel- und Gemüsefeldern haben. Wenn ich von Milos Familie schreibe, meine ich in erster Linie seine Eltern, seinen Bruder, dessen Frau und ihren kleinen Sohn, die zusammen leben und bei denen wir wohnen durften. Innerhalb der nächsten Tage haben wir aber auch Milos komplette Verwandtschaft kennengelernt, die natürlich alle für das Frühjahrsfest nach Hause zurückgekehrt sind. Das Frühjahrsfest ist übrigens dasselbe wie das chinesische Neujahr: als China 1949 offiziell den gregorianischen Kalender übernommen hat, wurde es lediglich umbenannt, wobei sich die Chinesen weiterhin unbeirrt ein "Frohes Neues Jah"r wünschen. Während "unser" Kalender der wichtigere Kalender im Alltag ist, denn er gibt Schulferien, nationale Feiertage und Ähnliches vor, wird der traditionelle Mondkalender noch benutzt um Geburtstage und andere Festtage festzulegen. Da die jüngere Generation den Mondkalender allerdings auch nicht mehr so im Blick hat, führt das häufig dazu, dass sie ihren Geburtstag vergisst - der ist aber in China ohnehin nicht so wichtig wie in Deutschland, es sei denn bei kleinen Kindern.

Für Silvester wurden wir zu Milos Onkel eingeladen, wo sich die gesamte Verwandtschaft getroffen hat um ein riesiges Festmahl zu genießen (für das 2 Hühner und ein Schwein geschlachtet wurden): mit mindestens 30 Erwachsenen und jede Menge Kindern saßen wir in einem großen Raum in dessen Mitte alle möglichen Gerichte in Schälchen auf dem Boden standen, der mit Tannennadeln bedeckt war. Vor allem der selbstgemachte Yunnan-Schinken und die frittierten Teigbällchen haben es uns angetan und so fühlten wir uns schnell kugelrund. Nach dem Essen durften wir dann mit den Männern des Hauses eine Tee-Zeremonie durchführen, bei der die berühmtesten und besten Teesorten der Region zubereitet wurden. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass wir nicht die größten Feinschmecker sind, denn für uns schmeckten diese Teesorten nicht sonderlich anders als unser Supermarkt-Tee.

Außerdem wurde den ganzen Tag lang - und auch die kommenden Tage immer wieder - jede Menge wahnsinnig laute Chinaböller gezündet, die genug Krach machen sollten, um böse Geister zu vertreiben. Abends gab es dann aber auch hübsches Feuerwerk, wie wir das von unserem Silvester kennen. Auch in China bleibt man an Silvester bis Mitternacht wach, was aber zumindestens für unsere Gastfamilie eine Herausforderung zu sein schien, da Chinesen typischerweise schon sehr früh zu Bett gehen. Ein weiterer Brauch ist, dass die Jungen und Alten der Familie Neujahrsgeld von ihrer Verwandtschaft bekommen - leider sind die Chinesen da sehr streng mit, denn uns wurde es ausdrücklich untersagt Milos Neffen etwas zu schenken, denn nur die Familie darf das. Aber auch ohne unsere Hilfe hatte der Kleine am Ende des Abends fast 2.000 Yuan (ca. 240€) zusammen, denn chinesische Familien sind sehr groß und sehr großzügig.

Die nächsten Tage haben wir damit verbracht viel spazieren zu gehen, Milos gesamte Verwandtschaft und sogar seine Nachbarn zu besuchen, die alle fasziniert davon waren weiße Menschen mal live und nicht nur im Fernsehen zu sehen. Milo konnte uns viel über die chinesischen Bräuche und seinen Heimatort erzählen und hat uns stolz durch die Umgebung geführt und Allen vorgestellt. So hat er uns erklärt, dass die Spiegel, die oft an Haustüren befestigt sind, böse Geister abschrecken sollen, da diese sehr hässlich sind und ihr eigenes Spiegelbild nicht ertragen können. Außerdem werden zu Neujahr verschiedene Verse, Bilder und chinesische Zeichen aufgehängt, die entweder Glück bringen oder Böses fernhalten sollen. Am zweiten Tag des neuen Jahres ist es Tradition auf den Familienfriedhof zu gehen und den Ahnen zu gedenken. Da nur die Familie den Friedhof betreten darf, verbrachten wir den Vormittag mit Milos Neffen (da es gefährlich ist Kinder mit auf den Friedhof zu nehmen, denn wenn die Ahnen den süßen, kleinen Racker sehen, könnten sie ihn behalten wollen) vorm Haus in der Sonne.

Als dann der Tag unserer Abreise kam, hat uns die ganze Familie verabschiedet, einen Bus für uns angehalten, uns in den Bus gesetzt, den Fahrer bezahlt und ihm bescheid gesagt wo wir aussteigen müssen. Sie haben uns sogar einen Passagier gesucht, der an unserem Bestimmungsort auch zum Zugbahnhof musste und uns dann kurzerhand im Taxi mit dorthin genommen hat. Am Bahnhof angekommen stellten wir dann fest, dass Milo nicht nur unsere Karten reserviert hatte, wie wir ihn gebeten hatten, sondern sie gleich auch noch für uns bezahlt hat. Es ist wirklich unglaublich wie gastfreundlich Chinesen sind. Immerhin kannten wir niemanden aus der Familie außer Milo und unser chinesisch ist immer noch nicht gut genug, um uns wirklich mit ihnen zu unterhalten. Und dennoch nahmen sie uns in ihr Haus auf, bekochten uns - ja mästeten uns fast - nahmen uns überall mit hin und halfen uns wo sie konnten (Milos Mutter hat sogar meine Hose genäht, als sie gerissen ist). Uns haben sie es auf der anderen Seite kaum erlaubt ihnen auch nur kleine Geschenke zu machen, denn wir hatten etwas Schokolade und Jägermeister als Gastgeschenke mitgebracht. Wir hatten auf jeden Fall eine sehr schöne Woche bei Milo und sind sehr dankbar, dass wir das Frühjahrsfest mit ihm und seiner Familie feiern durften.

 

Der Drachenpalast

Nach unserem Besuch bei Milo haben wir einen Abstecher in die Nachbarprovinz Guizhou gemacht. Hier haben wir uns die Longgong-Höhlen und den dazugehörigen Park angeschaut. Alles begann mit einer kurzen Bootsfahrt am Fluss entlang, welches uns auf unseren Weg, hin zu besagten Höhlen, bringen sollte. Über Stock und Stein und felsige Treppen hinweg kamen wir am Tempel des Goldenen Lichts an, welcher, nun ja, sehr am Wohl der Betenden interessiert war. Gebete für Glück und zum Schutz der Familie waren gestern und die ganzen wichtigen Worte kann sich sowieso keiner merken - stattdessen kann man hier für nur 398 Yuan eine Kerze und damit Glückseligkeit für die eigene Familie pachten (egal ob 5 oder 274 Familienmitglieder, what a deal!). Noch besser ist aber das gesegnete Drachenräucherstäbchen für besinnliche 999 Yuan, welche für 68h brennen soll. Der in Tempeln angewandte Buddhismus kann in China leider häufiger wie reine Geldmacherei wirken, aber das man hier die Gläubigen so sehr abziehen möchte haben wir so auch noch nicht erlebt, unglaublich...

Der nächste Abschnitt unserer Route führte erstmals durch ein kleines Höhlensystem, welches aber nicht zum namensgebenden Höhlenkomplex gehörte. Dennoch schön beleuchtet und eine gute Eintstimmung für die Hauptattraktion. Im Anschluss nahmen wir ganz faul eine Seilbahn über ein kleines Tal - sehr abenteuerlich, besonders wenn man an das Klischee chinesischer Qualitätsstandards denkt =P

Danach fuhren wir dann mit dem Boot durch den ersten Teil der Longgong-Höhlen, mit schön beleuchteten Gesteinsformationen und Wasserspiegelungen. Wenige Minuten später fuhren wir sogar ein zweites Mal diesen Weg, da wir im Kreis gelaufen waren - Bötchenfahren ist immer toll!

Auf dem richtigen Pfad angekommen kamen wir dann auch sehr schnell zum zweiten Teil des Drachenpalastes, einer noch größeren befahrbaren Höhle. Kurz vor Ende unseres Tagestrips konnten wir noch einen großen Wasserfall bestaunen, bevor wir uns in Richtung Ausgang begaben. Nun mussten wir zurück nach Anshun, unserem Ausgangspunkt, um unseren Zug in Richtung Chongqing zu erwischen. Der Bus war voll bevor wir die Chance bekamen einzusteigen und so langsam wurde es zeitlich knapp. Zu unserem großen Glück traffen wir eine Familie, die uns mitnahm - vorher gab es noch ein schnelles Fotoshooting mit uns.

12 Stunden und eine unglaublich anstrengende und schlaflose Zugdahrt später fanden wir uns in unserer dritten Provinz, Chongqing, wieder.

 

In einer Millionenmetropole

Chongqing, unsere erste chinesische Großstadt, mit fast 30 Millionen Einwohnern (alles andere wären auch nur Peanuts). Leider merkte man der Stadt ihre Größe schnell an, da der Smog hier richtig dicht über der Stadt hing und man die Sonne fast erahnen musste. Nichts desto trotz hatte Chongqing auch viele schöne Seiten, so zum Beispiel ein Touristenviertel, auch Klein Hongkong genannt, welches vertikal in mehreren Stockwerken in eine Bergseite eingelassen war. Außerdem kreuzen sich hier der Jialing und der Yangzi Fluss, welche wir bei einer abendlich romantischen Bootstour befahren haben. Sehr interessant war das Museum über die Erbauung des Drei-Schluchten-Dammes und die damit verbundenen Umsiedlungs- und Kulturrettungsmaßnahmen. Über eine Millionen Menschen mussten zugunsten des Projektes ihre Heimat verlassen und hunderte an Kulturrelikten mussten den Standort wechseln. Das Ganze war hier und da sehr patriotisch angehaucht, sodass immer wieder erwähnt wurde, dass die Umsiedler alle freiwillig und zum Wohle des chinesischen Volkes weggezogen und inzwischen natürlich alle reich geworden sind. Wirklich spannend war der Besuch einer Luohan-Halle: diese Hallen beherbergen die Statuen vieler berühmter Mönche, Kaiser, Volkshelden und in seltenen Fällen sogar Ausländern und je nach dem bei welchem man landet, wird einem die jeweilige mögliche Zukunft vorhergesagt. Leider war das Ganze natürlich wieder mit religiösen Kosten verbunden, so dass wir uns einfach unsere eigenen Gedanken gemacht haben. Meine Figur sah auf jeden Fall nach einem glücklichen und gesunden Großvater, mit 2 Enkeln auf den Schultern, aus, prächtiger Bart inklusive. Ninjas Statue wirkte glücklich und weise. Zum Glück fanden wir uns nicht vor einem der lustigeren Kameraden wieder, die gerne mal grün, mit überlangen Augenbrauen oder mit zu vielen Gliedmaßen dargestellt wurden.

In der Umgebung der Stadt erkundigten wir den Bei Shan und die Drei natürlichen Brücken, riesige Gesteinsformatonen, die eine Art Torbogen bilden. Der Bei Shan ist ein Berg und berühmt für seine in Stein gemeißelten Statuen. Leider mussten wir feststellen, dass man den vor Wind und Wetter kaum geschützten Elemente ihr Alter doch schon gut ansehen konnte, so dass wir den Enthusiasmus unseres Reiseführers nicht so ganz nachvollziehen konnten. Dafür waren die Natürlichen Brücken ihren Besuch aber allemal wert. Diese Felsentore stellen die größte Ansammlung solcher Formationen in Asien dar und bieten mit ihren hunderten von Metern an Höhe, Dicke und Spannweite eine wahre Augenweide an der Schönheit der Natur.

 

Von Feuerspuken und Riesenlaternen

Die vierte und letzte Provinz unserer Reise war Sichuan, berühmt für scharfes Essen, Opern und Pandas. Unser erstes Ziel war die Hauptstadt Chengdu, in der wir zwei entspannte, wenn auch kalte, Tage verbrachten. Ganz untypisch für eine chinesische Großstadt ist Chengdu überraschend hübsch und relaxed. In der Innenstadt gibt es einen sehr schönen Park mit lauter Teehäusern, in denen man gemütlich sitzen, Tee trinken und das Geschehen im Park beobachten kann. Das Stadtzentrum wird von einer großen Mao-Statue überschaut, die aussieht, als würde sie grade ein Taxi herbeiwinken. Von den vielen Tempeln Chengdus haben wir lediglich einen besucht, da wir auf unsere Reise schon recht viele Gotteshäuser besichtigt hatten und sie sich doch alle sehr ähneln. Allerdings lag dieser Tempel an einer berühmten Touristenstraße, an der wir die Leckereien und Spezialitäten Sichuans probieren und ein paar Souvenirs erhaschen konnten. Am beeindruckendsten, wenn auch nicht am leckersten, fanden wir kleine Reismatschebällchen, die geformt, gegen eine Trommel geworfen, in ein Pulver geschleudert und schließlich in Sirup getunkt wurden. Dennoch hätten wir uns im Nachhinein vielleicht einen anderen Tempel aussuchen sollen, denn ausgerechnet in diesem gab es gratis (!) Räucherstäbchen, was zu einer wahren Räucherbude geführt hat. Wenn es was umsonst gibt, muss das ja schließlich ausgenutzt werden...

Am Abend haben wir dann eine Sichuan Oper besucht, was ein sehr cooles Erlebnis war und das obwohl wir so gut wie nichts verstanden haben. Aber der Held hat am Ende das Mädchen bekommen und das ist ja die Hauptsache. Zwischendurch wurden wir mit Feuerspucken, wunderschönen Kostümen und Kulissen, Tanzeinlagen, Akrobatik, Marionettenspiel und nicht zuletzt mit Rapid Face Changing unterhalten. Das Letztere bezeichnet das, wie von Zauberhand stattfindende, Vertauschen von Masken in Sekundenschnelle mit einer kurzen Kopfbewegung. Wirklich beeindruckend! Am zweiten Abend besuchten wir eine Laternenausstellung. Hier waren die Wege über und über mit den unterschiedlichsten Laternen behangen. Ein wirklich schönes Lichterspiel! Besonders imposant waren die riesigen "Laternen" in Form von Drachen, Pferden und Helden, welche lebensgroß oder größer aufgebaut waren.

 

Kung Fu Mönche und perfektes Feng Shui

Bevor es Richtung Süden und gen Jinding ging, machten wir noch einen kurzen Abstecher in den Nordosten der Provinz, zum Doutao Shan, einem Berg mit Kung-Fu Mönchen. Dies war eindeutig einer der kältesten Tage, mit viel Schnee und einer wahren Nebelwand, die einen atemberaubenden Ausblick ins pure Weiß bot. Auf der Spitze bzw. den Spitzen angekommen, hatten einige chinesische Touristen es geschafft, einen der Mönche dazu zu überreden den Balanceakt zwischen den beiden Spitzen trotz des Wetters zu wagen. Während der Mönch das Drahtseil überquerte vollführte er einige akrobatische Einlagen, was nicht nur wegen des Schnees, sondern auch wegen seines stattlichen Alters umso beeindruckender war. Nach unserer Bergtour machten wir uns auf nach Langzhong, der Stadt mit dem perfekten Feng Shui aufgrund seiner Lage zwischen Fluss und Bergen. Praktischerweise fanden wir ein Bett im Feng Shui Museum der Stadt: doppeltes Feng Shui hält sicher noch besser! Langzhongs Altstadt eignete sich wunderbar zum schlendern und bummeln und hier konnte man sich die traditionelle Produktionskette echter Seide von Beginn bis Ende anschauen. Die Seidenraupen, die aus ihren Kokons gepellt wurden, nachdem diese aufgekocht worden waren, sahen schon etwas alien-mäßig und ekelig aus. Trotzdem hat Ninja sich ein schönes chinesisches Seidenkleid erstanden. Interessant fanden wir auch die Essig-Brunnen, welche zum probieren anregten - unglaublich schlechte Idee, da es einfach nur richtig fies schmeckt...

 

Der größte Buddha der Welt und süße Äffchen

Von Langzhong aus machten wir uns auf den Weg in den Süden der Region und in Richtung des Dafo, des größten Buddhas der Welt. Der Dafo ist ein 71m hoher und in eine Felswand gemeißelter Buddha, welcher die Kreuzung dreier Flüsse überschaut. Erbaut wurde er im 8. Jahrhundert, um die reißenden Flüsse, welche viele Schiffsunglücke verursacht hatten, zu besänftigen. Dieses Ziel wurde letztlich auch erreicht, aber nicht etwa, weil die Statue die Götter besänftigte, sondern weil der anfallende Bauschutt das Flussbett aufschüttete und so die Stromschnellen begrub. Der Buddha ist auf jeden Fall wahnsinnig groß, das kann man sich gar nicht vorstellen und auch nicht so recht beschreiben: allein seine Ohren sind 7m lang, seine Augen sind 10m weit und auf seinem großen Zehennagel haben 6 Personen Platz!

Inzwischen hatten wir den 14. Februar, was für uns natürlich Valentinstag bedeutet, für die Chinesen in diesem Jahr allerdings das Laternenfest, welches den Abschluss des Frühjahrsfests darstellt. Gefeiert wird mit unzähligen Schwebelaternen, welche in Parks angezündet werden und sich dann in die Lüfte erheben. Ein wahnsinnig schöner Anblick und sehr romantisch, wie sich der Himmel so in ein Lichtermeer verwandelt.

Die letzte Station unserer Reise bildete Xichang, die Hauptstadt der Yi-Minderheit, welcher vor allem für sein Minderheiten-Museum und seinen Affenberg bekannt ist. Wir hatten eigentlich kaum erwartet wirklich Affen zu sehen, da auch andere Orte stark damit geworben hatten, aber sich die Tiere, wegen der vielen Touristen, anscheinend nur selten zeigten. Daher konnten wir unser Glück auch kaum fassen, als wir schließlich doch noch ein paar wilde Äffchen zu sehen bekamen. Und diese Affen waren wirklich alles andere als schüchtern, sondern wagten sich in unsere Nähe und ließen sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören. Unglaublich süß und zahm waren sie und man konnte ihnen Nüsse aus der Hand füttern. Ninja ist sogar einer auf den Kopf geklettert!

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Heimweg: nach insgesamt 16 Stunden Busfahrt und zwei Übernachtungen kamen wir endlich in Jinding an und waren überglücklich wieder "zu Hause" zu sein. Ein eigenes Bett und eine Stadt, in der man sich auskennt, ist schon etwas Schönes! Und so weit wir auch gereist waren: die besten Kartoffeln gibts in Lanping und keiner hat bessere Babas als die Straßenverkäuferin in Jinding =)

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Fr

10

Jan

2014

Schulmaterialien und Dinner for One

Kurz vor Jahresende konnten wir noch ein paar Schulmaterialien an eine Mittelschule in Tong Dian übergeben. Tong Dian liegt circa eine Stunde nördlich von Lanping und unsere Freundin Hailey hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass den Kindern zwar keine Kleidung, dafür aber Stifte und Bücher fehlen würden. Zum Glück hatten wir davon etwas auf Lager und wir konnten den Jungen und Mädchen einige Stifte, Schreibhefte und Schulranzen vorbei bringen. Am 30. Dezember begaben wir uns zu dritt, Leonard, Ninja und ich, im Taxi auf den Weg. Dort angekommen wurden wir - wie für China typisch - zum Essen eingeladen, bevor es ans verteilen ging. Da die meisten Schüler im Unterricht waren, konnten wir selbst nur an jeweils 5 Mädchen und 5 Jungen verteilen. Jeder von ihnen bekam eine neue Schultasche, ein paar Schreibhefte und Stifte von uns. Die Damen waren wie bei fast jedem Mal sehr wählerisch, während sich die Jungs wie eigentlich immer, an dem erfreuten, was sie bekamen :P

Die Verteilung in Tong Dian war, wie erwartet, sehr kurz und schnell, aber die Plan- und Ahnungslosigkeit der Lehrer und der Willkür, mit welcher sie die "bedürftigen" Schüler auswählten, lies uns doch daran zweifeln, ob unsere Materialien hier so wirklich benötigt wurden. Wir hatten uns dabei nämlich vor allem auf die Aussage von Hailey verlassen, da man als Außenstehender eher schlecht sagen kann, ob hier nun Stifte und Hefte gebraucht werden oder nicht. 

Am nächsten Tag war dann auch schon Silvester. Wir haben zusammen mit unserer Freundin Bob und ihrer Cousine gefeiert sowie mit den anderen Freiwilligen aus Lanping, indem wir, mit ihrer Hilfe, chinesische Dishes und anschließend deutschen Pudding gekocht haben. Zum Essen gab es dann verschiedene Gerichte, wie Fleisch oder gebratene Kartoffeln, aber auch Tausendjährige Eier waren dabei. Diese appetitlich klingende Form ein Vogelei zu servieren entsteht, wenn man Eier über Monate hinweg fermentiert:

 

"Zur Herstellung werden rohe Enteneier, seltener Hühnereier, für etwa drei Monate in einem Brei aus Anis, Szechuanpfeffer, Teeblättern, Piniennadeln, Fenchelkörnern, Salz, warmem Wasser, gebranntem Kalk, Holzasche sowie Sägespänen eingelegt. In dieser Zeit verwandelt sich das Eiklar in eine gelatinöse, bernsteinfarbene Masse, das Eigelb bekommt eine quarkige Konsistenz und verfärbt sich grün. [...] Tausendjährige Eier sind ungekühlt monatelang haltbar (bis zu 3 Jahre sind möglich)."

 

Klingt doch lecker! Schmeckt aber eher so, wie der erste Gedanke vermuten lässt... Nach dem Essen hatten wir und vor allem die Chinesen einen riesen Spaß beim Bleigießen, auch wenn sie immer wieder versucht haben, sich eine noch bessere Zukunft zu schmelzen. Im Anschluss wurde dann ganz traditionell Dinner for One geschaut und Bob und ihre Cousine konnten sich kaum mehr halten vor lachen :D

Als es dann auf Mitternacht zuging, begaben wir uns alle auf eine Brücke in der Nähe und tosteten uns mit Bier zu und feuerten Raketen in das neue Jahr. Allerdings feiern die Chinesen kein Silvester, sondern Neujahr, sodass neben uns anscheinend nur eine weitere Gruppe etwas Feuerwerk in die Luft schoss. 

Den 1. Januar feierten wir dafür im KTV, in das uns ein chinesischer Lehrer von Leonard und Fidel eingeladen hatte. Hier wurde zwar eher weniger dem neuen Jahr, als der aktuellen Gesangsbeigabe gedacht, aber es machte dennoch viel Spaß.

Gerade im neuen Jahr angekommen, da veranstaltete unsere Schule schon eine kleine Talentshow, in der die Schüler traditionelle Minderheitentänze der Bai, Yi und Pumi, aber auch moderne Einlagen zu Songs von Britney aufführten. Auch die Lehrerinnen hatten einen Tanz vorbereitet und es gab sogar eine Breakdance-Gruppe; abgeschlossen wurde das Ganze mit einem sehr patriotisch angehauchten Theaterstück, in welchem spielende Kinder von verwundeten Soldaten und Fahnenschwingern abgelöst wurden.

Ein paar Tage später hat uns unser chinesischer Freund Milo zum Jiaozi Machen eingeladen. Jiaozi sind chinesische Nudelteigtaschen gefüllt mit Fleisch und Gemüse. Sie erinnern ein wenig an Ravioli oder Mini-Maultaschen. Jede einzelne Tasche wird dabei von Hand gefüllt, eingeklappt und zugedrückt, was mehr Übung erfordert als man vielleicht denkt. Wir haben uns aber wacker geschlagen und Freddy wurde zum Besten Jiaozi-Macher gekührt (die Chinesen waren außer Konkurenz). Anschließend werden die Jiaozi dann gekocht oder gebraten und - wie könnte es anders sein - mit einem scharfen Dipp vezehrt. Insgesamt eine sehr leckere und lustige Angelegenheit, aber auch ein bisschen aufwendig.

Inzwischen sind wir schon bei unseren Reisevorbereitungen für die kommenden Frühjahrsferien angekommen und müssen uns nun entscheiden, welche Route wir grob einschlagen wollen. Wir möchten auf jeden Fall so viel wie möglich sehen und mitnehmen, von Yunnan, aber auch von den umliegenden Provinzen, Sichuan, Chongqing und Guizhou. 6 Wochen werden wir insgesamt unterwegs sein - im März melden wir uns also wieder mit vielen tollen Bildern und Berichten.

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Di

07

Jan

2014

Weihnachten in Dali

Die Weihnachtstage haben wir in Dali verbracht, einer Stadt die ungefähr fünf Stunden südlich von uns liegt. In diesem Touristenhort haben wir endlich noch einmal westliches Essen genießen können, denn auch wenn das chinesische Essen gut schmeckt, so ist das kulinarische Angebot vor Ort doch relativ begrenzt. Durch Pizza und Steak gestärkt konnten wir uns also an die Erkundung dieser schönen Stadt begeben. Dalis Altstadt weist traditionelle chinesische Baukunst, mit geschwungenen Dächern und kunstvollen Verzierungen auf. Auch wenn die meisten Gebäude hier Souvenir Shops oder dergleichen sind, so bietet das Straßenleben doch ein angenehmes Flair. In der Nähe des alten Dali befindet sich auch die Neustadt, Xiaguan genannt. Diese wartet mit modernen Hochhäusern und einem amerikanisch angehauchten Walmart auf, in dem es neben richtigem Brot auch Leckereien à la Kinder Schokolade und spanischem Orangensaft gibt.

Der Er Hai See verbindet diese beiden Städte und besitzt einen Umfang von 90 km. Diese Strecke haben wir mit gemieteten Fahrrädern in Angriff genommen, haben uns aber mit den ersten 20 km zufrieden gegeben. Die so gewonnen Aussichten auf und über den See waren die Anstrengungen aber allemal wert. Neben unserer Radtour haben wir uns auch den Guan Yin und den Gantong Tempel angeschaut. Diese befinden sich auf dem Weg hinauf auf den Cang Shan, eine enorme Bergkette, die sich im Westen Dalis entlang zieht. Die beiden Tempel sind dem Buddhismus gewidmet und bieten eine völlig andere Atmosphäre, als unsere Gebetshäuser. Während die typischen Kirchen sehr dunkel und verschlossen sind, so waren diese Tempel das genaue Gegenteil: Voller Farbe und Sonnenschein, durch ihre offene Bauweise, mit Innenhöfen, Gärten und kleinen Bachläufen, die die einzelnen kleineren Gebäude miteinander verbinden. Die buntbemalten und kunstvoll geschnitzten Holzhallen beherbergen die Götterstatuen - von freudig grinsenden Buddas über angsterregende Kriegsgötter - denen Obst oder auch schon mal eine Flasche Eistee geopfert werden.

Nachdem wir die wunderschöne Baukunst bewundert und ein paar Räucherkerzen entzündet hatten, begaben wir uns an den Aufstieg zum Cang Berg. Zumindest an die ersten Meter, denn den wirklich weiten Weg hinauf unternahmen wir mit Hilfe einer österreichischen Seilbahn, was uns noch immer über 20 Minuten kostete. Oben angekommen konnten wir einen zugefrorenen Bachlauf entlang, sowie an steilen Hängen und Schluchten vorbei wandern und die tolle Aussicht ins Tal hinunter genießen. Einmal wären wir sogar fast den Berg runter gewehnt worden, so stürmlich war es teilweise in diesen Höhen! Zur Zwischenpause gab es ein typisch deutsches Käsebrot, mit Börtchen und Emmentaler Käse aus einer von deutschen gegründeten Bäckerei. Was in Alemania nichts Besonderes ist, war hier im fernen China der Inbegriff aller Köstlichkeiten - richtiges Brot, mit richtigem Käse! Als wir am 9 km Punkt des 15 km langen Wanderweges ankamen, war es leider schon stockduster geworden. Hier konnten wir uns zum Glück an den Abstieg, wenn auch unbeleuchtet, über hunderte von Stufen begeben. Erschöpft aber glücklich kamen wir wieder in Dali an (wobei wir das letzte Stück des Weges getrampt sind) und gönnten unseren Füßen eine kleine Massage. Dabei steckt man seine Füße in ein Becken voller kleiner Fische, die sogleich anfangen einem die Haut(schuppen) vom Leib zu fressen - sehr entspannend, aber auch leicht kitzelnd. 

Für den nächsten Tag war ein Ausritt in die Natur geplant. Dazu wurden wir von Einheimischen mit einer Gruppe Pferde abgeholt. Während Ninja sehr erfahren im Umgang mit Pferden ist, so war es für mich das erste Mal im Sattel. Über Stock und Stein, denn die Strecke war äußerst schwierig, trugen uns die sehr trittsicheren Tiere, bis hin zu einer Terasse hoch über der Stadt. Von hier konnte man einen tollen Ausblick genießen, bevor es zu einem abgelegenen Wasserfall in einer Felsspalte weiterging.

Den eigentlichen Weihnachtsabend verbrachten wir vor einem kleinen, aber schön geschmückten Bäumchen im Hostel in aller Gemütlichkeit. Als wir uns danach in die Innenstadt begaben, wurden wir Teil eines sehr seltsamen Spektakels: Im Sinne der Weihnachtstage waren die Straßen weiß, aber nicht etwa von einem plötzlichen Schneefall, sondern von Unmengen an Schaumspray. In Dali ist es nämlich anscheinend Brauch, sich mit solchen Spraymitteln zu bewaffnen, um sich dann gegenseitig von oben bis unten damit einzusprühen. Wir waren natürlich sofort mittendrin und teilten gut aus, steckten aber noch viel kräftiger ein, da wir als Ausländer begehrte Ziele zu sein schienen. 

Unsere Tage in Dali waren ein toller Ausflug und eine gute Ablenkung von den Gedanken an Weihnachten zu Hause, denn so schön es auch war, ganz so wie daheim war es dann leider doch nicht.

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Mi

01

Jan

2014

Unsere erste(n) Kleiderverteilung(en)

Am 18. Dezember war es endlich soweit: unsere erste Kleiderverteilung stand vor der Tür - oder besser gesagt, unsere ersten vier. Es hätte eigentlich am 16. losgehen sollen, aber aufgrund starker Schneefälle in der Nacht zuvor konnten wir nicht durch die Berge in das 2 Stunden entfernt gelegene He Xi fahren. So standen wir also am Mittwoch voll bepackt in Lanping und warteten auf die Regierung, die angeboten hatte uns abzuholen. Als diese dann auch mit zweistündiger Verspätung eintraf, ergab sich das erste Problem: Für 7 Personen sowie 80 Kleidersäcke gab es nur ein einziges Auto... Zum Glück war ein Transporter schnell aus Lanping herbeigeholt, sodass wir schließlich gegen halb 4 in He Xi eintrafen. Zu dieser Zeit war es, laut Aussagen der Regierung, aber schon zu spät, um noch zu einer der Schulen zu fahren und wir mussten uns auf den nächsten Tag vertrösten lassen. Die Regierung war uns gegenüber sehr freundlich und hilfsbereit eingestellt und hat uns sogar die Übernachtung im Hotel bezahlt und uns zum Barbecue eingeladen.

Am nächsten Tag ging es dann früh morgens los, erster Halt: Gong Xing. Hier verteilten wir an die ersten 22 Grundschulkinder. Unseren Kleidungsvorrat hatten wir zuvor sortiert und gezählt, damit wir möglichst gerecht verteilen konnten - ein T-Shirt war bspw. 1 Punkt, ein Pullover hingegen schon 2 und eine dicke Jacke bereits 3 Punkte wert. Die Kinder haben sich sichtlich über unseren Besuch und ihre neue Kleidung für den kalten Winter gefreut =)

Leider standen wir aufgrund der Verzögerung des ersten Tages unter einem strikten Zeitplan, sodass uns die Regierung nicht lange verweilen ließ und uns nach nur etwas mehr als einer Stunde zur nächsten Schule brachte. In Qing Hua angekommen, begrüßten uns die freudigen Gesichter von 36 Grundschülern. Zu Beginn waren die Kinder immer sehr schüchtern, aber nach nur kurzer Eingewöhnungszeit waren sie schon viel offener und hatten Spaß beim Kleidung aussuchen und herumalbern :D

Den dritten und letzten Stop für diesen Tag bildete Sheng Xing. Diese Schule war sehr berglich gelegen und wegen des Schnees konnte unser Transporter den steilen Anstieg nicht nehmen. Wir luden also unsere Kisten und Säcke in den Jeep und traten den Rest des Weges zu Fuß an. Über Felder und Schnee und an einer tollen Aussicht vorbei, ging es in die abgelegene Dorfschule. So hoch oben war es hier eindeutig am kältesten und viele der Schüler hatten die neue Kleidung dringend nötig. 

Die vierte Verteilung konnte erst am kommenden Tag stattfinden, da hier über 100 Schüler auf uns warteten. In zwei Klassenräumen aufgebaut waren wir bereit für den kommenden Ansturm. Jeder von uns nahm ein Kind an die Hand und versuchte ein passendes Kleidungsstück zu finden. Manche benötigten eine (neue) Jacke, andere eine unversehrte Jeans, wieder andere besaßen nicht einmal Socken an den Füßen. Leider standen wir aber auch hier (unerwarteterweise) unter dem Zeitdruck der Regierung, sodass wir nach nur drei Stunden wieder aufbrechen mussten. Zum Glück konnten wir den Rest der Kleidung vor Ort lassen, da die Lehrer angeboten hatten den Rest unter den übrig gebliebenen Schülern zu verteilen.

Wieder zu Hause angekommen waren wir erschöpft und glücklich darüber mehr als 1800 Kleidungsstücke weitergegeben zu haben. Der Großteil dieser Kleidung ging an die 200 Schüler der vier Schulen, aber auch für die Erwachsenen haben wir Pakete geschnürt, die über den jeweiligen Dorfvorstand oder den Schulleiter an die Bedürftigsten gegeben worden sind.

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Mo

25

Nov

2013

Shíyī Yuè 十一月

Der elfte Monat, wie die Chinesen den November ganz pragmatisch nennen, neigt sich schon wieder dem Ende zu. Es ist ein bisschen kälter geworden hier und die Sonne verschwindet schon gegen 19 Uhr hinter dem Horizont. Dafür haben wir jeden Tag strahlend blauen Himmel und im Sonnenschein ist es immer noch richtig warm. So einen schönen November haben wir noch nicht erlebt!

Der Monat fing damit an, dass wir am Zweiten eine Vorstell-Aktion in Lanping durchgeführt haben. Diese war ein großer Erfolg - es sind viel mehr Besucher gekommen, als wir es uns ausgemalt hatten. Mit deutschen Pfannkuchen, Dosenwerfen und Maskenbasteln für die Kinder, und informativen Plakaten über uns und unsere Projekte für die Erwachsenen, haben wir uns den Lanpingern vorgestellt. Nebenbei haben wir auch viele Spenden sammeln können. Doch war der Tag an sich schon ein voller Erfolg, so konnten wir auch in den kommenden Wochen merken, dass er sich gelohnt hat. Bei der nächsten Entleerung der Hygieneboxen, 2 Wochen später, haben wir rekordverdächtige 575 Yuan gezählt. Auch der Kleidercontainer, den wir bei der Vorstell-Aktion geleert hatten, war nach 2 Wochen bereits wieder berstend voll. Wir sind sehr zufrieden =)

Was ist diesen Monat noch so passiert? Durch unsere Vorgänger haben wir von zwei sehbehinderten Kindern in einem nahegelegenen Bergdorf erfahren. Deswegen sind wir zusammen mit Jenny, einer Englisch-Lehrerin unserer Schule, die Kinder in SanChongShan besuchen gefahren. Hier haben wir erfahren, dass sie bereits eine Diagnose erhalten haben, jedoch das nötige Geld fehlt, um die wahnsinnig teure Operation in einer großen Stadt wie Shanghai bezahlen zu können. Auch gehen die Kinder nicht zur Schule wegen ihrer Behinderung, obwohl sie schon 9 und 12 Jahre alt sind, und sprechen daher auch nicht fließend Hochchinesisch, sondern nur ihre Minderheitensprache. Zur Zeit stehen wir in Kontakt mit einer chinesischen Organisation, die die Operationskosten vielleicht übernehmen kann. Drückt ihnen die Daumen, dass wir bald eine positive Rückmeldung erhalten.

Auf der Suche nach einem Ort für eine mögliche Kleiderverteilung, waren Anna und Freddy in dem 2 Stunden entfernt gelegenen HeXi. Dank unserem chinesischen Freund Mike, konnten wir in Kontakt mit der örtlichen Regierung treten, welche uns vier Grundschulen in der Umgebung vorgeschlagen hat. Insgesamt handelt es sich um 228 Kinder, die laut Angaben der Regierung, unsere Hilfe gebrauchen können. Am 12. Dezember soll es also los gehen: mit vielen Säcken voller Kinder- und Erwachsenenkleidung bepackt, werden wir einen drei-tägigen Trip nach HeXi unternehmen, um dort unsere ersten vier Kleiderverteilungen durchzuführen. Wir sind auch schon ganz aufgeregt!

Letzte Woche waren wir außerdem auf einem Arts Evening der Yi Zhong (Mittelschule in Lanping). Neben diversen Sketchen, Tanzeinlagen und musikalischen Darbietungen, haben auch Anna und Talitha mit ein paar Schülern gesungen. Am Ende gab es auch eine Siegerehrung - allerdings haben wir nicht ganz durchblickt, wer denn nun gewonnen hat. Gut waren aber einige, ob sie nun traditionelle Minderheitentänze und -gesänge, oder moderne Hip-Hop Choreografien vorgeführt haben. Die Kostüme waren auch ziemlich beieindruckend - schade eigentlich, dass wir so etwas nie an unserer Schule gemacht haben.

Die letzten Tage des Monats werden wir nun damit verbringen Adventsdeko zu basteln und unser Zuhause weihnachtlich zu schmücken, damit auch hier im fernen China, wo kein Weihnachten gefeiert wird, ein wenig festliche Stimmung aufkommen kann. Über Thanksgiving werden wir dann noch nach Liuku fahren, um dort unser Visa zu verlängern, welches zunächst nur für 3 Monate gültig war.

Das wars auch schon wieder von uns, neue Fotos folgen =)

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Di

29

Okt

2013

Neues aus dem Reich der Mitte

Und schon neigt sich der Oktober wieder seinem Ende zu und wir sind bald 2 Monate in China. Irrsinnig schnell geht das! Und immer noch entdecken wir ständig neue Sachen. Zum Beispiel wurde letztens Butter auf dem Lanpinger Markt gesichtet und wir haben eine neue Lieblingsbäckerei mit Puddingteilchen und Schokokuchen gefunden =) Der Versuch süße Baozi zu essen war jedoch bislang leider erfolglos, genauso wie das Erraten der Öffnungszeiten des Duschgebäudes (was daran liegen könnte, dass sie wetterabhängig zu sein scheinen).

Was ist in letzter Zeit so passiert? Wir waren nochmal in der Jinfen Grundschule, was wieder richtig Spaß gemacht hat. Diesmal hat Fidel uns begleitet, der den kleinen ein paar Judo-Tricks beigebracht hat - das kam super an. Am Ende waren wir natürlich wieder alle ganz schön k.o.! Eigentlich wollten wir auch heute wieder zur Grundschule, aber leider hat es geregnet und da kann man nicht so viel mit den Kleinen machen. Naja, wir probieren es morgen nochmal! Ansonsten haben wir nochmal selbstgemachtes BBQ gegessen und es uns nicht nehmen lassen diesmal neben den Heuschrecken auch die Mehlwürmer zu bestellen. Fazit: Heuschrecken sind eindeutig leckerer =) Außerdem sind wir einen Berg in Lanping bestiegen, der genau wie der ErWuShan in Jinding 1.400 Stufen hat, jedoch ein bisschen höher gelegen ist und einen besseren Ausblick auf Lanping bietet.

Und in Jinding war so eine Art Krimes mit Kinderkarussell, Luftballonschießen, Dosenwerfen, allen möglichen Verkaufsständen inkl. lebendiger Hühner und - zu unserer großen Freude - ein Stand an dem man frittierte Bananen kaufen konnte (was wir hier zum ersten mal gesehen haben, soviel zu typisch chinesisch) und - nicht ganz so zu unserer Freude - frittierte Hühnerfüße. Letzteres mussten wir natürlich auch mal probieren, hat uns jedoch nicht so richtig überzeugt, da so ein Hühnerfuß nunmal größtenteils aus Knochen besteht und sich der ganze Aufwand einfach nicht so richtig zu lohnen scheint...

Inzwischen läuft auch die English Corner richtig gut, nach kleineren Anlaufschwierigkeiten. Wir haben jetzt montags, dienstags und mittwochs abends jeweils eine Stunde English Corner und bisher macht es richtig viel Spaß. Und der Andrang ist groß: es kommen jedes mal zwischen 15 und 25 Schülern, was schon ziemlich cool ist, wenn man bedenkt, dass sie in ihrer - nicht grade großzügig bemessenen - Freizeit zu uns kommen! Letzte Woche haben wir dann ein paar Kennenlernspiele gespielt - das war ziemlich witzig und auch interessant, denn wir haben so manches spannendes über unsere Schüler erfahren. So hat zum Beispiel trotz Ein-Kind-Politik so gut wie jeder ein Geschwisterkind - jedoch fast niemand zwei. Das liegt allerdings daran, dass es in China durchaus Ausnahmen von dieser radikalen Politik gibt und so dürfen beispielsweise die Minderheiten mehr Kinder bekommen. Zu unserem Staunen hat sich tatsächlich kein einziger unserer Schüler als Han-Chinese, also Mehrheits-Chinese, vorgestellt. Stattdessen gehören fast alle den Bai an, ein paar aber auch der Lisu-, Pumi- oder Yi-Minderheit. Ganz schon vielfältig hier! Diese Woche haben wir dann die English Corner unter das Motto Halloween gesetzt und versucht den Schülern diese amerikanischen Brauch ein bisschen näher zu bringen. Ein bisschen gegruselt haben sie sich glauben wir schon =)

Aber wir haben ja noch gar nicht von Lijiang berichtet - der Stadt am schönen Fluß. Dort waren wir nämlich spontan am vorletzten Wochenende und es war wunderschön! Lijiang war 400 Jahre lang die Hauptstadt der Naxi, eine tibetische Minderheit, die heute noch dort lebt. Nach 4 1/2 Stunden Busfahrt sind wir zunächst in einer ganz normalen chinesischen Großstadt gelandet. Doch als wir dann den Bus in Richtung Altstadt genommen hatten fühlten wir uns plötzlich als wären wir in einen Disney-Film gefallen: bildhübsche Holzhäuser mit kunstvoll geschnitzten Fassaden, Balkons und Innenhöfen, überall kleine Brücken und ein Meer aus Blumen! Und natürlich tausende von Souvenirshops und Touristen. Allerdings war der Großteil der Touristen chinesisch und wir haben nur ein paar wenige Europäer und Amerikaner gesehen. Tatsächlich waren wir als Langnasen auch hier eine solche Attraktrion, dass ein paar Chinesen Fotos mit uns machen wollten. So haben wir den hübschen, traditionell gekleideten, chinesichen Mädchen glatt Konkurrenz gemacht, mit denen man sich auch vor den schönsten Stellen hat fotografieren lassen können. Nachdem wir ein hübsches kleines Hotel mit warmer Dusche gefunden hatten, sind wir dann durch die endlosen Straßen der Altstadt geschlendert, haben Burger gegessen und Kaffee getrunken und es genossen, mal einfach nur Tourist zu sein. Aus der Altstadt sind wir auch wirklich nur einmal raus: um im Supermarkt Käse und Butter zu kaufen - zwei Dinge, die es leider bei uns nicht gibt und die wir schon sehr vermisst hatten. Ansonsten haben wir uns zwei sehr entspannte Tage in dieser schönen Stadt gemacht. Und wenn man die Preise in Euro umgerechnet hat, waren sie auch gar nicht mehr so teuer...

So, das war es erstmal wieder von uns. Am Donnerstag feiern wir Halloween und dann sind wir auch noch ganz fließig dabei unsere Vorstell-Aktion am Samstag in Lanping vorzubereiten. Drückt uns die Daumen, dass es diesmal klappt, denn sie ist bereits zweimal verschoben worden, da wir noch auf die Genehmigung der Regierung warten.

 

Liebe Grüße aus der goldenen Spitze (wörtl. Jinding 金顶)

Ninja & Freddy

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Fr

11

Okt

2013

Zurück in die Grundschule

Am Dienstag sind wir das erste Mal in einer der Jindinger Grundschulen gewesen. Nicht zum Unterricht, sondern um die kleinen Kinder zu besuchen, die unter der Woche in der Schule wohnen. Waren die Kinder anfangs noch ganz schüchtern, so konnten wir uns später kaum mehr vor ihnen retten. Jeder wollte einmal Huckepack genommen oder auf's Klettergerüst gehoben werden. Auch die Moon-Cakes, die wir ihnen mitgebracht hatten, kamen gut an. Die Verständigung klappte hier auch schon etwas besser, auch wenn der Versuch mit ihnen die chinesische Version von Bruder Jakob zu singen auf etwas verhaltene Reaktionen stieß. Gangnam Style fand hingegen wesentlich mehr Anklang :D Das spielen hat sehr viel Spaß gemacht, aber als uns die Dunkelheit Heim trieb, waren wir doch alle recht k.o.!

Auch im kulinarischen Bereich konnten wir neue Erfahrungen sammeln: Der Hot Pot bezeichnet in China ein Fisch- oder Fleischfondue (selbstverständlich mit ganzem Fisch). Dabei wird eine Schüssel über einem Gasherd in der Tischmitte erhitzt, um darin verschiedenes Gemüse zu kochen. Die besondere Herausforderung ist es, die gewünschte Speise mit den Stäbchen anschließend wieder aus der Brühe zu fischen. Die Chinesen haben es wirklich drauf, aus einer Mahlzeit ein gesellschaftliches Event zu machen!

Apropos Event, unser Duschgebäude wurde eröffnet! Darüber haben wir uns sehr gefreut, nur die Öffnungszeiten sind uns noch ein Rätsel..?

Was haben wir diese Woche noch so gemacht? Wie angekündigt, haben wir neue Hygieneboxen gebastelt, und zwar vier an der Zahl. Dafür mussten zuerst verschiedene Grundflächen aus einer Holzplatte gesägt werden. Schwierig gestaltet sich das Ganze, wenn andauernd das Sägeblatt zerbricht. Die fünfte Säge erwies sich dann endlich als stabil und hat uns gute Dienste geleistet. Anschließend wurden die Platten aneinander genagelt und mit leuchtend roter Farbe bestrichen. Wir denken das Resultat kann sich sehen lassen :)

Heute hat auch unser Plan, eine English Corner zu gründen, endlich eine feste Gestalt angenommen. Da das Englisch-Niveau an unserer Schule leider sehr niedrig ist, haben wir uns überlegt, den Schülern die Gelegenheit zu geben die Sprache, außerhalb der Zwänge eines Klassenraumes, zu üben. Mit Hilfe von Schülern konnten wir einen Brief an den Schulleiter auf chinesisch verfassen. Dieser hat uns heute morgen die Erlaubnis gegeben an zwei Tagen die Woche für jeweils eine Stunde unsere English Corner anzubieten. Stattfinden soll das Ganze bei uns zu Hause - wir hoffen also, dass wir nicht überrant werden :P

Für die erste Stunde sind auf jedenfall schon Erdbeerpudding und Kennenlernspiele geplant.

Alles Liebe aus Jinding, eure 林 连 Lín Lían und euer  Fú Lán Dé.

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Mi

02

Okt

2013

Neues aus Jinding

So liebe Leute, jetzt melden wir uns auch noch mal. Was haben wir die letzten 2 Wochen so getrieben? Am 19.9 bzw am 15.8, nach dem Mondkalender, hatten wir gleich zwei Dinge zu feiern: das Mittherbstfest und Ninjas Geburtstag. Zur Feier des Tages gab es neben tollen Geschenken und jeder Menge Moon-Cakes, ein BBQ auf chinesische Art, mit viel Gemüse und Heuschrecken zum selber grillen. Zuerst war das Verspeisen von Insekten "mit Haut und Haar" oder besser "mit Kopf und Beinen" noch etwas ungewohnt, doch nach zuerst zierlichen Probierhäppchen, schlugen wir alle gut zu, von dem leckeren Chips-flavour angetan.

Ein paar Tage später machten wir uns daran unseren ersten Berg zu besteigen. Der ErWuShan oder auch der 25. Berg wartete auf uns mit seinen über 1300 Stufen bis zum Gipfel. Stufen? Stufen! Denn die Berge in China werden häufig mit Treppen ausgestattet, um die hochgelegenen Tempel und Gebetsstätten besser erreichen zu können. Der Ausblick war den anstrengenden Aufstieg aber allemal wert und auch der wunderschön verzierte Tempel ließ uns nicht schlecht staunen.

Inzwischen hat auch die neue Mensa ihre Pforten geöffnet, eine größere Essensauswahl gibt es nicht, dafür sind die Schüler aber in Zukunft vor Wind und Wetter geschützt. Das neue Duschgebäude hat bisher leider noch nicht geöffnet, auch wenn ein erster Blick ins Innere einen doch sehr fertigen Eindruck vermittelte.

Übrigens sind wir nun auch endlich polizeilich registriert, weswegen wir aber zunächst noch Passbilder machen lassen mussten. Die Auswahl des Hintergrundes bestand dabei aus typischem weiß, kommunistischem rot und einfachem blau. Nach dem Fotoshooting gab es sogar eine schnelle Bildbearbeitung oben drauf. Da die Chinesen so sehr auf weiße Haut stehen, gibt es für jeden eine Taintaufhellung dazu. In unserem Falle führte es dazu, dass wir nahezu elegant mit dem Hintergrund verschmolzen. Da mussten wir dann doch ein wenig lachen.

Letztes Wochenende begaben wir uns auf unsere zweite Mountain-Tour. Nach SanChongShan sollte es gehen, geschafft haben wir es aber nur ins Nachbardorf. Die erste Etappe nahmen wir mit dem Taxi, eine 20-minütige Holperfahrt bis auf 2780 Höhenmeter. Ab dann ging es zu Fuß und meistens Querfeldein weiter. So schlugen wir uns duch das Dickicht, um schließlich bei ein paar einfachen Hütten anzukommen. Dort besuchten wir Freunde von Maik, einem Ehemaligen Freiwilligen, der diesen Monat Urlaub in Lanping gemacht hat. Die Menschen hier leben noch einfacher als in der Stadt und versorgen sich durch einen kleinen Bauernhof selbst. Hühner, Schweine und ein Pferd laufen munter über den Hof, Zäune oder Leinen gibt es nicht, denn wohin sollen die Tiere schon laufen. Wie in China üblich wurden wir auch zum Essen eingeladen, die Kinder des Hauses bereiteten direkt bei unserer Ankunft Süßkartoffeln aus eigenem Anbau über offenem Feuer zu. Die Feuerstelle befand sich in einer kleinen Lehmhütte mit offenem Dach, damit der Rauch abziehen konnte. Daneben gab es noch Ställe und eine kleine Betonhütte, die der Familie als Schlafplatz diente. Toilette oder Dusche suchte man vergebens, das einzige Wasser kam aus einem Wasserhahn vor dem Haus.

Am selben Tag wurden wir abends in's KTV, eine Karaoke-Bar, eingeladen. Der Kontrast hätte kaum krasser sein können. Während wir am morgen noch die einfachsten Verhältnisse kennengelernt hatten, wurde uns hier der neue Reichtum Chinas präsentiert: Ein Privatraum mit Marmor- und Goldverzierungen, einem Kellner und einer großen Leinwand. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unsere ersten chinesischen Trinkspiele kennenlernen, die übrigens sehr lustig sind. Beim Karaoke geht es den Chinesen nämlich zum einen darum aus vollster Inbrust chinesische Schnulzen zu singen und zum anderen darum möglichst viele Biergläser zu exen. Alleine trinken oder nur am Glas nippen geht gar nicht. Wer trinken möchte braucht einen Trinkpartner und hat sein Glas mit einem Schluck zu leeren.

Natürlich sind wir hier aber nicht die ganze Zeit am feiern, nein, auch die Projektarbeit schreitet langsam voran. Nachdem Kleidercontainer und Hygieneboxen das erste Mal geleert und der Inhalt gezählt und sortiert wurde, machten wir uns daran diese auszubessern. Die Hygieneboxen wurden mit Schanieren und Schlössern versehen, um sie sicherer zu gestalten und der Kleidercontainer wurde mit Silikon abgedichtet, um die Feuchtigkeit draußen zu halten. Ab morgen werden dann weitere Hygieneboxen gebastelt und an neuen Orten aufgestellt. Außerdem sind wir dabei unsere erste Kleiderverteilung in Zhong Pai zu planen.

Drückt uns also die Daumen, wir melden uns wieder.

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Mi

18

Sep

2013

Der Wasserkocher ist fertig, das Licht geht an...

... oder zumindest wird es heller, denn den Strom müssen sich unsere elektrischen Geräte anscheinend voneinander abluchsen. 

Wir sind jetzt seit zwei Wochen in China und inzwischen haben wir auf unserem Balkon eine Art Dusche eingerichtet, herausgefunden wie das mit der Handwäsche funktioniert und erfolgreich das Internet herbei gezaubert (nach einem verlängertem Wochenende ohne Internet und teils ohne Strom). Zum Glück hatten wir wenigstens die ganze Zeit fließend Wasser, ein Luxus, der unseren Mitfreiwilligen in Lanping und Liuku leider nicht vergönnt war. Wir sind also guter Dinge =)

Zu unserer großen Freude können wir jetzt auch endlich den Sommer in China genießen, nachdem es die ersten paar Tage ja leider nur geregnet hatte. Am schlimmsten war es letzte Woche Mittwoch, unglücklicherweise genau der Tag an dem wir unseren ersten Ausflug nach Lanping unternommen haben. Lanping, unsere Nachbarstadt in der die anderen 4 Freiwilligen wohnen, wirkt um einiges größer und moderner als Jinding. Die vielen Hochhäuser, riesigen Supermärkte und großzügigen Straßen lassen einen fast vergessen, dass wir hier doch sehr abgelegen sind. Nachdem wir die beiden anderen Schulen besichtigt und die Wohnungen bestaunt hatten, machten wir uns dann wieder auf den Heimweg. Dieser wurde jedoch von reißenden Wasserfällen, die sich quer über die Straßen ausbreiteten, erschwert. So kletterten wir, schlugen uns durchs Unterholz und folgten Autos, welche das Wasser zu spalten vermochten, um den Fluten zu entkommen. Leider alles vergebens, denn als wir wieder in Jinding ankamen, stellten wir fest, dass der gesamte Schulhof unter Wasser stand und uns nichts anderes übrig blieb als tapfer hindurch zu waten um zu unserer Wohnung zu gelangen... nur um festzustellen, dass der Strom ausgefallen war.

Aber jetzt zeigt sich der Sommer zum Glück von seiner besten Seite, was wir dazu ausnutzen die Gegend näher zu erkunden. So streiften wir durch verwinkelte Gassen und genossen den atemberaubenden Ausblick über Jinding von höher gelegenen Straßen. Leider entdeckten wir auch eine Müllhalde, mitten in einem idyllischen Tal mit Wasserfall. Außerdem konnten wir Abends an den traditionellen Tänzen der Minderheiten teilhaben.

Seit gestern unterrichten wir auch endlich. Wir haben 8 Stunden die Woche, gemeinsam, mit acht verschiedenen achten Klassen, dienstags bis donnerstags. Mit rund 50 Schülern pro Klasse, die leider ebenso wenig Englisch sprechen wie wir Chinesisch, ist das Unterrichten schon mal eine kleine Herausforderung. Doch mit dem Good-Morning-Song auf den Lippen können wir die Schüler für uns gewinnen und ihnen mit einem kleinen Spiel die Zahlen von 1 bis 20 näher bringen. Nur an den Empfang in den Klassen müssen wir uns wohl noch gewöhnen, denn der wäre eher einem Rockstar angemessen als uns.

 

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So

08

Sep

2013

Endlich da!

Nach langer, langer Reise sind wir gestern endlich in unserer Wohnung angekommen. Lustigerweise doch an der Jinding Mittelschule wie ursprünglich geplant und nicht in Lajing wie es ja auf einmal am vorletzten Tag vor der Abreise hieß.

Am Mittwoch ging das langersehnte Abenteuer China also endlich los:  Wir sind über Nacht von Frankfurt nach Hongkong geflogen (wobei wir im Flugzeug um 23 Uhr auf einmal Frühstück bekommen haben, dank Zeitverschiebung :D), dann sind wir am Donnerstag Morgen in Hongkong gelandet, wo wir unseren 5-stündigen Aufentahlt erstmal verpennt haben (und festgestellt haben, dass Hongkong Dollar lustige Sichtfenster haben ^^). Weiter ging es dann 2h nach Kunming, der Hauptstadt von Yunnan, wo wir von ehemaligen Freiwilligen und unserer chinesischen Betreuerin abgeholt wurden und zu unserem ersten chinesischen Essen eingeladen worden sind. Das ist eigentlich cool, manchmal sind so Sachen dabei, die nicht ganz so gut schmecken, wie Kuhmagen oder Schweinehaut zum Beispiel (Beides schmeckt wie Gummi), aber größtenteils ist es echt lecker und nur ab und zu scharf. Man sitzt dann mit einer Gruppe von Leuten um einen Rundtisch, in der Mitte ist eine Drehscheibe auf die dann etliche Gerichte und auch Tee und Reis gestellt werden und dann wird das ganze gedreht und jeder hat eine Schüssel und Stäbchen und bediehnt sich dann einfach. Eigentlich sehr praktisch und vielfältig. Allerdings haben wir heute, an unserem 4. Tag in China, schon nicht mehr ganz so viel lust auf Reis und Nudeln, zumal es auch zum Frühstück nur herzhafte, gekochte Sachen wie Nudelsuppe gibt...
Jedenfalls sind wir dann von Kunming mit dem Nachtbus 12h nach Liuku gefahren. Das war original wie eine Fahrt im Fahrenden Ritter aus Harry Potter, denn es gab sogar Betten (wenngleich die für Freddy schon etwas zu klein waren ^^). In Liuku wurden unsere Gebete endlich erhört und wir wurden in ein Hotel eingecheckt, wo wir nun endlich endlich duschen und uns umziehen konnten (inzwischen war ja schon Freitag). Nachdem wir noch zweimal zum Essen eingeladen wurden und noch eine Nacht im weichen Hotelbett genießen durften, ging es dann Samstag Morgen weiter: 7h mit zwei Autos nach Lanping bzw. Jinding (Natürlich wurde zwischendurch wieder eine Pause zum Essen gehen eingelegt ^^).

Die Landschaft hier ist auf jeden Fall atemberaubend schön, nur leider hat es bisher ständig geregnet. Die Autofahrt war sehr lustig, da andauernd irgendwelche Hunde, Kühe, Ziegen, Esel oder Pferde auf der Straße rumstanden. Aber dann wird einfach gehupt - das machen die Chinesen eh gerne und viel - und dran vorbei gefahren. Was nicht ganz so lustig war ist, dass durch den vielen Regen einige Steine von den Bergen herunter gefallen sind und die Straßen deswegen nicht so gut befahrbar waren.

Und jetzt sind wir endlich hier - in unserer kleinen Wohnung ohne Bad, Heizung und Kühlschrank. Gestern haben wir erstmal einen Großputz veranstaltet, heute wurde ausgepackt... jetzt müssen wir nur noch irgendwie rausfinden wie das mit dem Duschen ohne Dusche und dem Wäsche Waschen per Hand funktioniert ^^

Am Donnerstag geht dann auch schon der Unterricht los.

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Di

03

Sep

2013

Typisch China

Morgen geht es endlich los. Die Koffer sind gepackt, die Tickets sicher verstaut: wir sind bereit!

Inzwischen haben wir auch den kleinen Schock überwunden, den uns gestern die chinesische Regierung bereitet hat. Auf einmal hieß es nämlich, 2 Tage vor Abflug, dass einige Schulen dieses Jahr doch nicht besetzt werden, unter anderem die gesamte Präfektur Dali und auch unsere Schule in Jinding. Schlimmer noch, dieses Jahr werden nur gleichgeschlechtliche Paare an den Schulen erwünscht. Jetzt bricht natürlich die große Umorganisation aus. Die ganze wer-geht-mit-wem-und-wohin-eigentlich Frage, die wir ja bereits auf dem Vorbereitungsseminar ausdiskutiert hatten, wird jetzt wieder ausgepackt. Wir sind dabei mit einem blauen Auge davon gekommen: zwar gehen wir jetzt an die Lajing Middle School, die ca. 1 Stunde westlich von Jinding liegt, aber wir dürfen weiterhin zusammen an eine Schule gehen. Der Trick: man gibt uns als Ehepaar aus. Für uns natürlich kein Problem, sogar die Ringe haben wir schon! Und so haben wir auch schon unsere erste Überlebens-Regel für China gefunden: Immer schön flexibel bleiben =)

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Sa

10

Aug

2013

Noch 25 Tage und 25 Nächte

In weniger als einem Monat werden wir also in einem Flieger nach Hongkong sitzen. Irgendwie können wir es immer noch nicht richtig fassen... Seit dem Vorbereitungsseminar üben wir fleißig jeden Tag chinesisch, sammeln Spenden und arbeiten langsam unsere lange To-Do-Liste ab. Es gibt noch sooo viel zu tun: das Auto muss abgemeldet, eine Reiseapotheke zusammengestellt, Regenjacken und Reiseschlafsäcke gekauft werden und und und...

Zu allem Überfluss muss Ninja auch noch ihre Master These abgeben und verteidigen - Chaka, Pow, Peng!

 

Das Abflugdatum rückt immer näher und mit ihm auch die Vorfreude, wissen wir doch seit dem Vorbereitungsseminar auf was wir uns nun eigentlich freuen können. Auf dem zweiwöchigen Seminar, ganz im Norden Deutschlands, haben wir neben unserer Schule auch die anderen 31 Freiwilligen kennengelernt. Eigentlich die anderen 37, aber (leider) gehen 6 von ihnen nach Peru. Aber wir werden uns ja alle auf dem Nachbereitungsseminar wiedersehen :)

 

Nach Lanping gehen wir gemeinsam mit 4 anderen super tollen Freiwilligen, die uns schon versprochen haben, dass wir auch mal bei ihnen duschen dürfen, yay :D

Gemeinsam schlagen wir uns also in die Bresche unbekannter Schriftzeichen, sündhaft scharfer Gerichte, traditioneller chinesischer Toiletten und Facebookzensur.

 

Auf geht's!

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