Unsere letzten Reisen

Die vorangegangen beiden Wochen haben wir noch ein letztes Mal mit ein wenig Reiserei in Gongshan und anschließend in Liuku in der Summer School verbracht. Unser Weg nach Gongshan war ein sehr langwieriger und anstrengender Prozess mit über 16 Stunden Busfahrten über 2 Tage hinweg verteilt. Endlich am Zielort angekommen, machten wir uns gleich daran ins nahe gelegene BingZhongLuo aufzubrechen, wo wir die malerischen Berghänge und Täler der Region bewundern konnten. Auf den Pfaden der alten Tea Horse Road, die hier in die Felswand geschlagen wurde, fanden wir ein süßes kleines Dorf mit einer alten Wassermühle. Außerdem haben wir eine der zahlreichen katholischen Kirchen der Region entdeckt, denn obwohl in Gongshan viele Tibeter wohnen, sind diese nicht etwas Buddhisten, sondern doch tatsächlich Christen! Anscheinend wurden sie mal von französischen Missionaren besucht… Am nächsten Tag folgte dann das Highlight der Reise, das Dulong-Tal. Diese Gegend wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und die dort ansässige Dulong-Minderheit (ca. 5.000 Menschen) war bis dahin vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Das merkt man besonders daran, wie unangetastet doch weite Teile der Landschaft sind, die einen mit atemberaubenden Schluchten und Wasserfällen beeindruckt. Hier lebt noch ein knappes Dutzend alter Frauen, deren komplettes Gesicht tätowiert wurde – warum genau dies geschah weiß niemand, aber es wird vermutet, dass diese Entstellung zum Schutz gegen tibetische Stämme dienen sollte, die eventuell Frauen aus dem benachbarten Tal geraubt haben. Das Dulong-Tal macht im Morgennebel einen sehr mysteriösen Eindruck und wir können uns glücklich schätzen es noch gesehen zu haben, bevor die ganze Region dem Tourismus geöffnet wird. Nach unserem Ausflug ins Tal machten wir uns noch eine schöne Zeit in Gongshan selbst und besuchten eine der, unter Freiwilligen, berühmten Tibeter-Bars. Hier spielt sich jeden Abend ein Programm aus Showeinlagen, Minderheitentänzen und Tanzmusik ab und man sitzt normalerweise selten lange allein am Tisch. Nach Gongshan machten wir uns auf nach Liuku, um dort in der Summer School auszuhelfen. Die Summer School ist ein Programm für die lokalen Slumkids, welche wir versuchen einzuschulen. Die Bewohner der Slums haben oft zu viele Kinder (in China herrscht ja immer noch die Ein-Kind-Politik), sodass sich die meisten von ihnen keine zusätzlichen Geburtsurkunden leisten können. Ohne diese haben die Kinder keine Chance auf eine, vom Staat finanzierte, Schulbildung. Wir Freiwilligen versuchen daher über Spenden das benötigte Geld für diese Kinder aufzutreiben, um ihnen die Schulgebühren bezahlen zu können. Zusätzlich unterrichten wir sie, mit Hilfe chinesischer Lehrer, in der Summer School, um herauszufinden, welche Kinder bereits eingeschult werden können oder welche noch zu schlecht Chinesisch sprechen (die meisten sprechen nur ihre Minderheitensprache) oder aus anderen Gründen noch nicht bereit sind, in die Schule zu gehen. Die Kinder waren zwar teils wild und frech, aber konnten auch unglaublich süß und lieb sein. Unser Alltag bestand vor allem darin, die Kinder zur Schule zu bringen und auf sie aufzupassen, während die chinesischen Lehrer den Unterricht übernommen haben – ab und zu mussten wir aber dennoch ganz spontan einspringen, da die Lehrer schon mal ohne Vorwarnung einfach gefehlt haben. So kam es dann, dass wir nicht nur Englisch, sondern auch Mathe, Sport, Kunst und sogar Chinesisch unterrichtet haben! Mittags mussten wir mit einer Rasselbande von fast 50 Kindern eine kleine Weltreise hinlegen, um sie zu einem Restaurant zu führen und im Anschluss aufpassen, dass sie während der Schlafenspause auch keinen Unsinn machten. Außerdem haben wir natürlich versucht, ihnen Körperhygiene ein bisschen näher zu bringen und haben deswegen immer sehr aufs gemeinsame Zähneputzen, Händewaschen und zweimal die Woche auch Haarewaschen geachtet. Den Kindern hat das auch großen Spaß gemacht, da wir sie in der Mittagshitze immer mit dem Schlauch abspritzen konnten. Ich denke, den ein oder anderen haben wir auf jeden Fall auch längerfristig fürs Waschen (und Putzen!) begeistern können. Leider konnten wir gegen den starken Läusebefall vieler Kinder nichts ausrichten, da die Läuse in den Slums so verbreitet sind, dass die Kinder sie sich sowieso schnell wieder einfangen würden. Unsere Woche in der Summer School war zwar manchmal anstrengend, aber insgesamt eine tolle Erfahrung. Und an zwei Nachmittagen haben wir sogar frei bekommen, sodass wir das Freibad und den großen, goldenen Buddha besuchen konnten. Nach Feierabend haben wir uns dann meistens mit den anderen Freiwilligen getroffen und haben auch einige Abschiede gefeiert, da sich viele von uns jetzt bald schon auf in Richtung Heimat machen. Wir freuen uns auf jeden Fall noch auf unsere letzten zwei Wochen in China und dann natürlich auch sehr darauf, wieder zu Hause zu sein =)

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