Besuchen und besucht werden

Inzwischen haben wir Ende Juli und es ist nur noch ein knapper Monat, bis wir uns auf den langen Weg nach Deutschland machen werden. Aber in unseren letzten Wochen waren wir nicht untätig, denn wir haben Marissa, eine Freundin aus Deutschland, einen kleinen Teil von China gezeigt und haben selbst auch noch etwas mehr von diesem Land erkundet, nämlich Beijing und Xi'an.

Zu aller erst haben wir Marissa in Lijiang abgeholt und ihr die Stadt, in der wir inzwischen zum fünften Mal waren, näher gebracht. Hier hat sie ihre ersten Erfahrungen mit der chinesischen Lebensweise gemacht und wir fühlten uns daran erinnert, wie fremd das doch auch für uns noch zu Anfang war. Die ziemlich deluxen öffentlichen Toiletten Lijiangs waren für sie erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber wir wussten ja bereits, was sie noch in Jinding erwarten würde :D

Im Anschluss ging es nach Dali, die Stadt in der wir unser gemeinsames Weihnachtsfest verbracht hatten, wo wir noch einmal leckere deutsche Brötchen essen konnten - vorrangig haben wir aber natürlich Marissa die chinesische Küche gezeigt, als nur westlich mit ihr Essen zu gehen :P Neben leckerem Essen haben wir noch eine kleine Bootstour über einen nahen See gemacht und uns von Fischen die Füße massieren lassen.

Unsere dritte Anlaufstelle war Jinding, wo wir Marissa unser aktuelles zuhause zeigen konnten. Wir waren zusammen beim Indoor-Barbecue, haben den ErWuShan bestiegen und wurden zwei mal ins KTV eingeladen. Den Abschluss ihres zweiwöchigen Besuches bildeten die Weiterreise ins tibetische Shangri-la, hin zu den schönen Kalkterassen von BaiShuiTai und die Besichtigung der Tigersprungschlucht. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß dabei Marissa einen kleinen Teil Chinas zu zeigen und hoffen, dass es ihr genau so viel Spaß gemacht hat =)

Nach dem Besuch aus Deutschland machten wir uns daran Sarah, eine deutsche Freundin in Beijing, zu besuchen. Nachdem wir am Vorabend erst um 3 Uhr Nachts in Sarahs Wohnung eingetroffen waren, ging es am nächsten Tag aber bereits früh los, um die Große Mauer zu besteigen. Trotz schlechten Wetters hatten wir eine schöne Zeit auf der Mauer und konnten neben dem touristischen Teil auch den eigentlich nicht öffentlichen Teil, da verfallen, begehen und eine Aussicht ins Tal genießen. In den nächsten Tagen schauten wir uns den wunderschönen Sommerpalast an, der um einen groß angelegten See gebaut wurde und wanderten im Himmelstempel umher, in dem Ninja auch ein kleines Fotoshooting mit ihrem neuen Kleid bekam. Während unserer Zeit in Beijing konnten wir in Sarahs WG unterkommen und neben einer richtigen Dusche noch eine Waschmachine und eine Klimaanlage genießen - der Himmel =)

Bei einem Besuch in Beijing darf natürlich die Verbotene Stadt nicht fehlen und so machten wir uns eines Montages dorthin auf, um erschreckend festzustellen, dass wir wohl einen der besucherreichsten Tage des Jahres erwischt hatten. Eine geschlagene halbe Stunde mussten wir anstehen um unsere Tickets zu bekommen und innen war es dann ebenfalls sehr voll. Dennoch konnten wir ein paar schöne Bilder machen und uns die Kaiserstadt genauer ansehen. Beijing zeigte sich während unseres Besuches übrigens von seiner besten Seite und so mussten wir so gut wie keinen Smog ertragen und hatten fast jeden Tag bestes Wetter. Eigentlich hatten wir uns diese große Stadt auch wesentlich turbulenter, lauter und enger vorgestellt, aber das konnten wir so gar nicht feststellen. Als Abschluss unseres Besuches gönnten wir uns noch die berühmte Pekingente, ein Gericht, bei dem ein Koch direkt neben dem Tisch das Fleisch schneidet und anschließend serviert - sehr lecker!

Nach unserem siebentägigen Aufenthalt setzten wir uns in den Nachtzug nach Xi'an und verbrachten "angenehme" 13 Stunden im Sitzabteil. In der ehemaligen Hauptstadt angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg zur Hauptattraktion, der Terrakotta-Armee. Diese wird in 3 separaten Ausgrabungshallen dargestellt: in der ersten und größten kann man über 1000 Ton-Krieger bestaunen, welche alle individuelle Gesichtszüge, Haarprachten und Rüstungen besitzen. Halle Nummer 2 bietet leider nicht viel zu Sehen, da die Ausgrabungen noch nicht sehr weit fortgeschritten sind, dafür kann man hier aber 5 Figuren aus direkter Nähe betrachten und die feine Arbeit aus kurzer Distanz bestaunen. Halle 3 soll das "Hauptquartier" der Terrakotta-Soldaten darstellen, da man hier Offiziere und Generäle sehen kann und ist damit auch die kleinste der drei Hallen. Nach einer weiteren Grabesbesichtigung verließen wir Xi'an auch bereits wieder und machten uns zurück auf den Weg nach Jinding.

Unsere letzten beiden Monate in China waren angebrochen und die sollten natürlich genutzt werden. Zuerst war die Verabschiedung von Anna und Talitha, die Lanping frühzeitig verlassen wollten, um noch herumzureisen, dran, in deren letzten Woche wir eine Mottowoche starteten. So zogen wir am einen Tag alle chinesische Kleidung, wie Trachten oder Oberteile, an und spielten Majiang und trugen an einem anderen Tag Pyjamas und schauten uns Mulan an. Am Tag des WM-Finales luden wir zum ersten Mal ins KTV ein, um einen schönen Abend mit unseren chinesischen Freunden zu genießen. Nach vielem Gesinge und getrinke ging es schließlich in die nächstgelegene Bar, um gegen 3 Uhr das Spiel und den Sieg Deutschland gegen Argentinien zu feiern. Zwei Tage später mussten wir dann bereits die beiden Mädels verabschieden und seitdem schleicht sich der Aufbruchsgedanke auch bei uns immer wieder ein. Daher wollten wir auch einen Punkt unserer To-Do Liste der Dinge, die wir noch unbedingt machen wollen, abhaken und fragten Jenny, ob sie uns beibringen könnte ein paar traditionelle chinesische Gerichte zu kochen. So lernten wir, dass man vor allem viel Öl, Koreander und Chili benötigt um die meisten Dishes zubereiten zu können. In unserer Ecke hier wird generell mit viel Öl und auf richtig heißer Flamme gekocht, sodass das Essen meist binnen einer Minute fertig ist und eine Wartezeit von fünf Minuten bereits als lang gilt. Wir haben uns ein paar gute Rezepte abgeguckt und hoffen diese auch in Deutschland anwenden zu können. Neben dem lernen, wollte wir auch zeigen und luden Milo zu einem richtig Deutschen Dinner, mit Frikadellen, Kartoffeln mit Sauce, sowie frischem Salat ein. Ganz ungewohnt wurde mit Tellern und Gabeln gegessen und sogar wir waren etwas verwirrt davon, dass man den Teller gar nicht mal so gut hochheben und vor den Mund halten konnte. Als Dessert gab es Schokopudding mit Vanillesauce und auch wenn wir alle drei schon richtig satt waren, hat es uns dennoch sehr gut geschmeckt.

Auch wenn die Schule schon länger vorbei ist, haben wir noch Kontakt zu ein paar Schülern, darunter Tina, eine der englischbegabtesten, die uns zu sich nach Hause zum Essen einlud. Gegen 11 Uhr holte sie uns ab und gemeinsam fuhren wir in ihr 15 Minuten entferntes Dorf, wo wir ihre sehr nette Familie kennen lernen sollten. Ihre Eltern nahmen uns herzlich auf und ihre 9 Monate alte Schwester war einfach nur zuckersüß. Den großteil unserer Zeit verbrachten wir beim Majiangspielen, aber auch die Umgebung des Dorfes haben wir erkundet. Zum Essen gab es am Ende Reisnudeln mit Entenfleisch und wenn wir gewollt hätten, so wären wir willkommen gewesen bei der Familie zu übernachten - so gastfreundlich =)

Am 21. besuchten wir noch das Fackel-Fest in Jinding, bei dem, insbesondere Kinder, mit Fackeln und einer Art Puder, der die Flammen auflodern lässt, herumlaufen und Spaß haben. An manchen Plätzen wird auch um ein größeres Feuer zu Musik getanzt oder an anderen Stellen auch gerne Leute mit den hellen Fackeln erschreckt.

Heute ist es, wie gesagt, kaum mehr ein Monat bis zu unserer Abreise und am kommenden Morgen werden wir uns in die anderen Städte der Freiwilligen, Fugong und Gongshan begeben um auch diese Gegenden kennenzulernen. Danach geht es dann weiter nach Liuku, wo wir die Summerschool mitbetreuen werden, um arme Slumkids für ihren Einstieg in die Schule vorzubereiten und wenn wir wieder zurück nach Jinding kommen, so werden uns nur noch zwei Wochen bleiben, in denen wir versuchen müssen uns von China zu verabschieden...

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