Im Mai ist viel passiert!

Das erste große Ereignis des Monats war die Hygieneaktion und die Kleiderverteilung an der Grundschule in Long Tan. Der Schulleiter hat uns und die Kleidersäcke schon früh morgens abgeholt, sodass wir direkt nach dem Frühstück mit unserer Hygieneaktion beginnen konnten. Zunächst haben wir ein kleines Schauspiel vorgeführt: drei Freiwillige standen in weißen T-Shirts vor den Kindern, denen unsere Übersetzerin in der lokalen Minderheitensprache erklärte, dass dies ihre Zähne seien. Gespannt beobachteten die Kinder dann, wie die böse Karies den Zähnen ganz viele Süßigkeiten gab, die überall an den Zähnen kleben blieben. Und als wäre das nicht schlimm genug, fing die Karies dann auch noch an die Zähne zu verhauen, woraufhin diese vor Schmerzen aufschrien. Zum Glück kam dann aber die rettende Zahnbürste, welche die Karies besiegt und die Zähne wieder sauber geputzt hat. Ich denke, dass Schauspiel hat den Schülern gut gefallen und ihnen spielerisch die Wichtigkeit des täglichen Zähneputzen gezeigt. Das war auch wirklich nötig, denn obwohl die Kinder unter der Woche in der Schule schlafen, sucht man vergeblich nach auch nur einer Zahnbürste in den Schlafräumen. Das haben wir aber zum Glück geändert – nachdem wir die 80 Kinder in 2 Gruppen geteilt hatten, durften die einen spielen gehen, während die anderen jeweils einen Zahnputzbecher, den sie sofort mit ihrem Namen versehen haben, und dann eine Zahnbürste und eine Zahnpasta von uns bekommen haben. Dann ging es los mit dem gemeinsamen Zähneputzen: 3 Minuten lang oben, unten, Kauflächen, außen, innen und am Schluss sogar die Zunge bürsten. Den Kindern schien es Spaß zu machen, sogar so sehr, dass manche nach dem Mundausspülen die Zahnbürsten direkt wieder im Mund hatten :D Dann wurden die Gruppen getauscht und das ganze Spiel ging wieder von vorne los. Nach dem Mittagessen haben wir dann noch Kleider verteilt. Das lief auch sehr geordnet ab, da wir zwei Klassenräume zur Verfügung gestellt bekommen haben, in denen wir unsere Kleidersäcke ausräumen und sortieren konnten. Außerdem waren unsere chinesischen Helfer und die Lehrer vor Ort eine tatkräftige Unterstützung, sodass wir alle sehr zufrieden mit dem Ablauf der Aktion waren.

 

Das nächste Highlight des Monats war der Besuch von Sarah, einer deutschen Freundin von mir, die ich bei meinem Studium in Maastricht kennengelernt habe. Da sie grade ihren Master in Beijing macht, hat sie sich überlegt uns für knapp 2 Wochen im schönen Yunnan besuchen zu kommen. Gemeinsam sind wir dann nach Lijiang gefahren (wo wir ja bereits im Oktober von berichtet haben) und von dort aus in die Tigersprungschlucht. Das ist eine der tiefsten Schluchten der Welt und man braucht 2 Tage alleine um zur Mitte der Schlucht zu wandern. Das haben wir dann auch tapfer gemacht und es hat sich auf jeden Fall gelohnt: der Ausblick auf den Yangtse, der sich durch die hohen Schneeberge windet, war wirklich atemberaubend. De Pfad an sich war auch sehr abwechslungsreich: mal hoch, mal runter, mal durch den Wald und mal über Stock und Stein. Und obwohl wir mit Regen gerechnet hatten, schien den ganzen Tag lang die Sonne und am Ende hatten wir alle einen fetten Sonnenbrand. Am ersten Tag sind wir 7 Stunden gewandert und schließlich müde und glücklich in einem Gasthaus untergekommen. Das Gasthaus ist übrigens sehr zu empfehlen, vor allem für den tollen Ausblick den man von den Freiluft-Toiletten aus genießen kann =) Am nächsten Morgen sind wir dann einmal in die Schlucht runter bis an den Fluss gewandert und im Anschluss wieder die ganze Strecke hinaufgestiegen – zwischendurch mit Hilfe einer sehr hohen, ungesicherten, aber zum Glück nicht allzu langen Leiter. Es war auf jeden Fall ein Abenteuer!

 

Unser nächstes Ziel war Shangri-La, eine tibetische Stadt, deren Altstadt Anfang des Jahres abgebrannt ist. Tatsächlich sieht der alte Stadtkern immer noch sehr verwüstet und verkohlt aus: kein einziges Haus steht mehr und die Häuser am Rand sind auch teilweise etwas schwarz gefärbt und ihnen fehlen oft Teile vom Dach. Man fühlt sich seltsam, wenn man so durch die Asche geht und darüber nachdenkt wie viele Leute in dem Feuer, wenn auch zum Glück nicht ihr Leben, so doch ihre Lebensgrundlage verloren haben. Außerhalb der Innenstadt gibt es aber noch viel zu sehen, weshalb weiterhin viele Touris ihren Weg in diese schöne Bergstadt finden. Wir waren in dem größten Kloster Yunnans, wo heute noch 700 tibetische Mönche leben. Man hat auf den ersten Blick gesehen, dass es kein typisch chinesisches Kloster ist, denn es ist über und über mit Gold verkleidet. Mit ein bisschen Glück haben wir sogar unseren Weg aufs Dach gefunden, von wo aus man einen super Ausblick auf die Umgebung hatte und die riesigen Buddhas und anderen Statuen mal ins Gesicht blicken konnte. Außerdem waren wir bei der vielleicht größten Gebetsmühle der Welt und haben mal ein paar Gebete gedreht =) Natürlich waren wir auch ein bisschen in den Geschäften stöbern, auf dem lokalen Markt und haben versucht möglichst tibetisch zu essen. Leider mussten wir aber feststellen, dass uns der Yak-Käse nicht geschmeckt hat und der Yak-Butter-Tee bei unserer Tibeterin in Jinding immer noch der Leckerste ist.

 

Zurück in Lanping haben wir dann noch mit Sarah ein paar Ausflüge auf den ErWuShan, nach SanChongShan, zum BBQ, zu den Minderheitentänzen und natürlich ins KTV gemacht. Ihr hat der Ausflug „aufs Land“ auf jeden Fall viel Spaß gemacht, sie hat die Berge und die frische Luft genossen, und festgestellt, dass die Chinesen hier ihren Beijinger Dialekt erkennen, von dem sie gar nicht wusste, das sie ihn hatte. Naja, ich nehme mal an, dass wir auch in anderen Teilen Chinas sofort als „Südchinesen“ enttarnt werden würden, schließlich haben die Leute hier auch einen ziemlich starken Akzent, den wir uns inzwischen angewöhnt haben ^^

 

Mit der letzten Mai-Woche kam dann leider auch schon unser letzter Unterricht und die letzten English Corners. Mitte Juni schreiben die Schüler ihre Endjahres-Prüfungen und da von den Ergebnissen der Schüler auch das Gehalt der Lehrer abhängig ist, sind diese natürlich besonders daran interessiert, gezielt die Testinhalte zu lehren. Für unsere letzten Stunden haben wir eine Runde Montagsmaler, ein paar englische Popsongs zum zuhören und verstehen und einen kleinen Dialog zum Thema „Essen bestellen in einem Restaurant“ vorbereitet. Das hat auch alles gut geklappt und den Schülern viel Spaß gemacht. Am Ende der Stunde haben wir uns dann von ihnen verabschiedet und zu unserer Überraschung kamen einige Schüler nach vorne, um uns Abschiedsgeschenke zu geben (z.B. gefaltete Kraniche und Papierherzchen) oder um uns um eine Unterschrift zu bitten. Es war auf jeden Fall eine sehr schöne letzte Unterrichtswoche. In der English Corner verlief der Abschied leider nicht so gut, da in der Woche, in der wir die Corner beenden wollten, Tests geschrieben wurden, von denen uns leider niemand vorher erzählt hatte. So haben wir in der letzten Corner Scrabble gespielt, was zwar auch Spaß gemacht hat, aber wir fanden es schon sehr schade, dass es dann nicht mehr zum angedachten Karaoke singen und Pfannkuchen essen gekommen ist, welches wir uns eigentlich für den Abschied überlegt hatten. Naja, ein paar Schüler kommen uns auch immer noch besuchen, mit ihnen konnten wir dann immerhin singen =)

 

Ende des Monats stand dann für uns ein Skype-Date der besonderen Art auf dem Plan: Radio Euskirchen hat uns interviewt. Was eigentlich als Spendenaufruf gedacht war, wurde dann doch einfach zu einem normalen Interview zusammengeschnitten, aber gut… Wir sind aufgeregt, dass wir es jetzt auch schon ins Radio geschafft haben, nach 9 Monaten des gefühlten Promi-Daseins in China (so mit Fotos, Applaus beim Betreten von Klassenräumen und Autogrammen). Ich hoffe wir kriegen keine Aufmerksamkeitsprobleme, wenn wir wieder in Deutschland sind und sich auf der Straße niemand nach uns umdreht :D

 

Das letzte große Ereignis im Mai war die Besteigung des Xue Bang Shan, dem höchsten Berg in Lanping mit stolzen 4.300 Metern. Das ist immerhin schon halb so hoch wie der Mount Everest und fast so hoch wie der höchste Berg Westeuropas, der Mont Blanc (4.810). Deswegen stand eigentlich schon seit Anfang das Jahres fest, das wir ihn besteigen wollen und am 31. Mai bot sich dann endlich die Gelegenheit: eine Gruppe von 7 Chinesen wollten den Berg mit lokalem Führer bezwingen und unser Freund Milo lud uns und Fidel ein, sie zu begleiten. Zu diesem Anlass zeigten die Chinesen auch Ausnahmsweise mal höchste Pünktlichkeit und Voraussplanung und so starten wir genau um 7 Uhr mit Proviant bepackt unser kleines Abenteuer. Ganze 6 Stunden haben wir bis zum Gipfel gebraucht und der Anstieg war schon teilweise sehr steil und teils auch abenteuerlich, so mussten wir zwischendurch über Bäche und an Felswänden entlang klettern. Aber unsere Mühen wurden belohnt: der Ausblick war wahnsinnig schön, wir haben überraschend viele schöne Blumen gefunden und hatten sogar das Glück auf eine kleine Herde wilder Yaks zu treffen. Am Gipfel angekommen, kam dann eine kleine Enttäuschung, da wir nicht bis zur Spitze hinauf gehen konnten, da die letzten 100 Höhenmeter zu steil waren, um sie ohne Seile und Bergsteigerequipment zu erklimmen. Schade natürlich, aber auch von knapp unter der Spitze war der Ausblick einmalig schön. Nach weiteren 4 Stunden Abstieg, bei dem wir unter Büschen durchgekrochen und mehr geschliddert als gewandert sind, kamen wir endlich glücklich und tierisch müde wieder in Lanping an.

 

Nach 2 Tagen Muskelkater waren wir dann auch wieder fit, um unsere nächste Kleiderverteilung in SanChongShan zu planen. Schon seit Längerem hatten wir uns überlegt auf dem Berg in der Nähe von Jinding zu verteilen, da wir bei jedem Besuch erneut festgestellt haben, wie arm die Leute dort oben sind. Nach ein paar Telefonaten mit dem Dorfvorsteher, einer Kleidersortiersession und einem Treffen mit Milo, der freundlicherweise eingewilligt hatte uns bei der Aktion zu helfen, machten wir uns am 8. Juni mit einem kleinen Laster voller Kleidungssäcke auf den Weg zum Berg. Dort angekommen wartete schon die erste kleine Krise auf uns, denn leider war die Straße so steil, dass unser Laster nicht bis zum Dorf durchfahren konnte. So standen wir mitten auf einer staubigen, unbefestigten Straße, als der Dorfvorsteher uns sagte, die Bewohner würden jetzt hier her kommen, um die Kleidung für sich und ihre Familien abzuholen. Und tatsächlich kamen auch bald die ersten Yi-Frauen den Berg runter und begannen kurzerhand die Säcke vom Laster zu holen, sie aufzureißen und durchzugucken, wobei sie alles, was sie nicht gebrauchen konnten, kurzerhand in den Dreck fallen ließen. Fassungslos standen wir daneben, während sich einfach alle nahmen, was sie wollten und manche Frauen sogar mit ganzen, ungeöffneten Kleidersäcken abzogen. Natürlich haben wir versucht, ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen, war es doch wichtig, dass sich jeder nur so viel nahm, das am Ende für jeden noch was übrig blieb. Dem Dorfvorsteher war das allerdings herzlichst egal und mit den Bewohnern direkt sprechen hatte auch wenig Erfolg, da sie alle der Yi-Minderheit angehören und kein Hochchinesisch sprechen. Eine Stunde später fuhren wir völlig fertig mit den restlichen Kleidungssäcken, die übrig geblieben waren, da nicht alle Familien zur „Verteilung“ gekommen waren, zurück nach Hause. Naja, es war auf jeden Fall eine Erfahrung…

 

Jetzt sitze ich grade auf dem Bett und schreibe noch schnell diesen Eintrag, bevor wir morgen früh nach Lijiang fahren, um dort unsere Freundin Marissa abzuholen, die uns für 2 Wochen aus Deutschland besuchen kommt. Natürlich freuen wir uns schon wahnsinnig auf sie und darauf ihr unser Leben in Jinding, aber auch die Touristenattraktionen in unserer Nähe zu zeigen. Ab dem 26. Juni werden wir dann für 2 Wochen in Beijing sein, um Sarah zu besuchen, und anschließend in Xi’an, die Terrakotta-Armee besichtigen. Das nächste Mal werdet ihr also Anfang Juli von uns hören und dann gibt es wieder viele neue Fotos und hoffentlich einen spannenden Bericht von unseren Reisen =)

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