Der (etwas verspätete) April

Hier der etwas verspätete *räusper* Eintrag zum April :) Wir waren sehr beschäftigt und vielleicht auch ein wenig schreibfaul, sodass es viel auf einmal zu berichten gibt. Zu Beginn des Monats waren wir noch auf dem Zwischenseminar in Liuku. Hier haben wir alle anderen Freiwilligen wieder gesehen und ein volles Programm an Seminaren und Programmpunkten durchgemacht. Daneben hatten wir aber auch etwas Freizeit und wir konnten am Fluss grillen, im KTV singen und oft Werwolf spielen. Ansonsten haben über den Sinn und die Nachhaltigkeit der Projekte diskutiert (ewige, endlose Diskussionen -.-) und über neue Projektideen gesprochen. Beim Brainstorming kam dann bspw. die Idee zum Tourismus-Projekt, bei dem wir beide uns nun engagieren. Hier soll es darum gehen den Tourismus im Nujiang-Tal allmählich zu etablieren, um mehr Geld in die Region zu bringen. Die Gegend wird bereits ab und zu von Touristen besucht und so wäre es ein natürlicher Schritt, das Ganze weiter auszubauen - und da kommen wir ins Spiel: Wir haben uns überlegt, die Region zu bewerben und Publicity zu machen, sowie eine Art Reiseführer zu schreiben, welcher die schönsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung beschreiben soll. Vielleicht wollt ihr euch ja auch mal das Nujiang-Tal anschauen, falls ihr gerade in China seid ;)

Zu Ostern haben wir in der English Corner Eier gefärbt, welche die Schüler dann im Anschluss mitnehmen durften. Das hat ihnen viel Spaß gemacht und davon, dass sie ihre Ostereier behalten durften, waren sie sehr begeistert. Wir haben uns auch noch mit Milo und Anna zum gemeinsamen Osterbrunch getroffen - sehr lecker =)

In dieser Zeit haben wir auch häufig Besuch bekommen: So waren Fabian aus Gongshan und Julia aus Liuku da und wir haben ihnen gleich mal unsere schöne Stadt und ihre Umgebung gezeigt. Mit Fabian zusammen haben wir uns auch selbst in ein KTV eingeladen. Auf der Suche nach Bekannten in einem der KTV-Räume haben uns ein paar angetrunkene Chinesen freudig zu sich hineingewunken. Zu Beginn war es zwar ein wenig komisch, aber danach hatten wir viel Spaß beim gemeinsamen trinken und anstoßen. Julian, unser Projektleiter, hat uns ebenfalls besucht und mit ihm zusammen haben Fidel und ich die Grundschule in Long Tan besucht, einem kleinen Bergdorf ca. 40 Minuten entfernt von Lanping. Dort haben wir 80 Kinder kennengelernt, von denen so gut wie keiner eine Zahnbürste besessen hat. So entstand die Idee, dort eine Hygieneaktion durchzuführen.

Im April waren wir auch das erste Mal auf einer chinesischen Hochzeit eingeladen, zu der uns unser Freund Mike mitgenommen hat. Die Hochzeitsgesellschaft war sehr groß und erstreckte sich über drei benachbarte Haushalte. Die Braut war in ein traditionelles rotes Kleid gehüllt, da rot die Farbe für Wohlstand ist, und war reichlich weiß geschminkt. Außerdem trug sie einen Spiegel um ihren Hals, welcher böse Geister und Unglücke fernhalten soll. Der Bräutigam war ständig damit beschäftigt mit all seinen Gästen anzustoßen und hat uns die Ehre erwiesen, mit ihm an einem Tisch gemeinsam zu essen.

Ninja hat inzwischen das Sticken für sich entdeckt, was hier sehr üblich bei den chinesischen Frauen ist, und ist auch schon sehr weit mit ihrem ersten Bild gekommen. Sie hat sich ein schönes Motiv ausgesucht, welches hier aber aus gewissen Gründen nicht verraten werden darf ;)

Highlight des Monats war eine Einladung von Jenny, die uns mit in einen Tempel zur Feier eines Bai-Festivals genommen hatte. Gemeinsam mit ihrer Familie und anderen, wurde vor Ort gekocht (eine Küche im Tempel, stell sich das einer vor) und gespeist. Die Bai müssen sechs Mal im Jahr einen solchen Tag im Tempel verbringen und gemeinsam mit der Familie feiern. Dieses Mal war noch eine Art Mönch dabei, welche den Familienmitgliedern die Zukunft vorhergesagt hat. Dazu hat sie einen gekochten Hühnerkopf auseinandergenommen und während die weichen Teile gegessen wurden, wurde aus bestimmten Knochen und deren Größe und Form "gelesen", was den Angehörigen in nächster Zeit passieren wird. Ein wirklich interessantes Erlebnis und ein neuer Einblick in die Religiosität der Chinesen.

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