Unsere Reise durch China

 

Über das chinesische Neujahr, welches dieses Jahr am 31.01 stattgefunden hat, haben unsere Schüler und somit auch wir 6 Wochen Ferien bekommen. Und wie könnte man die besser nutzen als China ein bisschen zu erkunden? Am 13.01 machten wir uns also schwer bepackt auf, auf unsere 5-wöchige Reise durch Yunnan und drei Nachbarprovinzen - Guizhou, Chongqing und Sichuan. Insgesamt haben wir über 4 Tage (105 Stunden) in Bus und Bahn verbracht, aber das war es auf jeden Fall wert!

 

An der Grenze zu Myanmar

Nach 10 Stunden Busfahrt sind wir endlich an unserem erste Ziel angekommen: Ruili, eine Grenzstadt zu Myanmar im äußersten Westen Yunnans, die vorallem für ihre Jade- und Edelsteinmärkte berühmt ist. Obwohl Ruili anderen chinesischen Städten auf den ersten Blick gar nicht so unähnlich ist, bemerkt man den myanmarischen Einfluss doch, wenn man genauer hinsieht. Männer mit Bärten und langen Röcken laufen durch die Straßen, man sieht Häuser und sogar Schilder mit ganz untypischen überschwänglichen Goldverziehrungen, überall ist der Pfau (das inoffizielle Landestier Myanmars) zu erblicken und neben den chinesischen Schriftzeichen ist eine lustige runde Schrift zu bewundern. Man merkt auch, dass wir jetzt von unserer Hochebene in Jinding in deutlich tiefere Regionen gekommen sind, denn es ist wärmer, überall stehen Palmen und der örtliche Markt hat eine ganz andere Auswahl an Tropenfrüchten zu bieten.

Obwohl uns unser Visa es leider nicht erlaubt China zu verlassen, konnten wir doch einen Ausflug in eine chinesische Handelsstadt innerhalb von Myanmar machen. Die Stadt an sich ist leider eher unspektakulär, aber wir konnten den kleinen Grenzfluss entlang spazieren und einen Blick in den Nachbarstaat werfen. Es hat uns überrascht wie unterschiedlich Myanmare doch im Vergleich zu den Chinesen aussehen, wo wir früher immer dachten, dass sich alle Asiaten doch recht ähneln...

Außerdem haben wir einen Ausflug zu den 17 Dai Pagoden gemacht, wo wir unseren ersten kleinen Dai Tempel besichtigt haben. Die Dai sind eine ethnische Minderheit in China, die eigentlich aus verschiedenen Tai-Volksgruppen besteht. In ihren Tempeln muss man sich die Schuhe ausziehen und im Gegensatz zu den bunt-verzierten chinesischen Tempeln herrschen hier Gelbtöne vor, zusammen mit prächtigen Goldverziehrungen. Die Dai sind zwar ebenfalls Buddhisten, glauben aber an eine strengere, urtümlichere Form des Buddhismus, die im Rest von Südostasien weit verbreitet ist.

 

Von einer hübschen Altstadt ins Wolkenmeer

Der zweite Stopp unserer Reise war ein kleines, idyllisches Dorf in der Nähe eines Berges, den wir zu besteigen gedachten. Nachdem wir ein hübsches Hotel gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg die Altstadt zu erkunden. Neben ein paar mehr oder minder interessanten Museen und kleinen Familientempeln, hat Heshun sehr viele traditionelle Gebäude, Brücken, Pavillions und Tore zu bieten. Außerdem liegt es an einem hübschen See, der sich hervorragend für romantische Abendspaziergänge eignet. Ein wirklich sehr netter Fleck!

Am nächsten Tag nahmen wir dann die Besteigung des Berges in Angriff. In 2 Stunden meisterten wir die 3.000 Stufen bis zum Gipfel und wurden mit einem wahnsinnigen Ausblick belohnt. Direkt auf der Spitze des Berges steht ein taoistischer Tempel, in dem wir erstmal gemeinsam mit den Mönchen und Tempelfrauen zu Abend essen konnten. Hinter dem Tempel fanden wir dann einen abgelegenen Felsvorsprung, von dem aus wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen konnten. Für eine kleine Spende durften wir auch im Tempel übernachten: Ninja bei den Tempelfrauen und Freddy bei den Mönchen in den Schlafräumen. Den Abend verbrachten wir zusammen mit den Frauen, im einzigen durch Feuerschalen beheizten Raum, mit gemeinsamen Basteln und Kriegsfilmschauen. Dass die Chinesen eine besondere Vorliebe für Actionfilme haben, wussten wir ja bereits. Doch die alten, religösen Frauen dabei zu beobachten, wie sie mit den ständig sterbenden Soldaten mitfieberten, war schon ein bisschen surreal.

Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Vom Berggipfel aus erleuchteten die ersten Sonnenstrahlen ein wahres Wolkenmeer im Tal. Doch bis wir wieder am Fuß des Berges angekommen waren, hatte sich der Nebel bereits verzogen und die Sonne stand schon hoch am Himmel.

 

Tropenurlaub

Nach 21 Stunden Busfahrt und einer sehr unbequemen Nacht sind wir an unserem dritten Ziel angekommen: Jinghong, die Hauptstadt der südlichsten Region Yunnans Xishuangbanna. Das erste Mal in unserem Leben haben wir den nördlichen Wendekreis überquert und waren nun in den Tropen - zum Glück in der Trocken- und nicht in der Regenzeit! Natürlich hat es uns in den Urwald gezogen, doch zuerst haben wir uns ein paar Tage gegönnt, um die Hauptstadt zu erkunden und eine Wanderroute zu finden.

Jinghong ist eine wirklich sehr hübsche Stadt - und das will schon was heißen, denn chinesische Städte sind eigentlich nicht für ihre Schönheit bekannt. Doch mit ihrem charmanten südlichen Flair, den ganzen Palmen, kleinen Parks, vielzähligen Elefantenstatuen (in der Nähe gibt es wilde Elefanten) und nicht zuletzt dem schönen Wetter, ist es einfach hier ein paar entspannte Tage zu verbringen. Auch kulinarisch hat Xishuangbanna einiges zu bieten: Reis, der in einer ganzen Ananas gedünstet wird und lecker süß schmeckt; süß-saures thailändisches Essen; jede Menge frisch gepresste Fruchtsäfte und Milchshakes mit allen Tropenfrüchten, die man sich nur wünschen kann; gebratene Bananen und Vieles mehr.

 

Ausflug in den Regenwald

In einem Touristencafe haben wir schließlich eine passende Wanderroute zu einem kleinen Dorf im Dschungel gefunden. Mit der Wegbeschreibung, Proviant und einem Tagesrucksack bewaffnet machten wir uns früh morgens auf den Weg, zuerst mit dem Bus nach Xiding und von dort aus zu Fuß. Als wir nach ca. 3km die weiße Pagode erreichten, wollten wir der Straße nach links folgen, wie es unsere Route voraussah. Nur meinten die in der Nähe stehenden Chinesen, dass Zhanglang nicht links, sondern rechts liege. "Naja, die werden's wissen", dachten wir uns und warfen unsere Wegbeschreibung über Bord. Vorsichtshalber haben wir alle Chinesen, die wir getroffen haben, nach dem Weg gefragt und sie wiesen uns alle in dieselbe Richtung. Und so gingen wir immer weiter das Tal hinab. Die Straße, der wir folgten, wurde langsam kleiner und uns kamen immer weniger Menschen entgegen. Bis wir schließlich ganz unten im Tal angekommen waren, inmitten von Reisfeldern und Teeplantagen. Weit und breit war kein Dorf zu sehen und auch leider niemand mehr, den man nach dem Weg hätte fragen können. Aber Google Maps wies uns ganz eindeutig in Richtung der gegenüberliegenden Bergkette. Nachdem wir uns quer durch die Felder, über einen kleinen Bach und die steile Böschung wieder hinauf geschlagen hatten, bestätigten ein paar Bauern, die gerade ihre Felder am bestellen waren, unsere Befürchtungen: Zhanglang liegt nicht im Tal, sondern auf den Bergen gegenüber von Xiding. Während unsere Route uns schön in einem großen, aber bequemen Bogen um das Tal herumgeführt hätte, haben die Chinesen uns den schnellsten Weg per Luftlinie gezeigt. Und so kam es, dass wir das gesamte Tal wieder hinaufgeklettert sind, nur diesmal komplett querfeldein und teilweise in den Spuren der Ochsen.

Als wir am späten Nachmittag Zhanglang endlich gefunden hatten, waren wir erschöpft, aber glücklich. Das Dorf war wunderschön idyllisch, mit traditionellen Holzhäusern statt den üblichen Betonklötzen, unzähligen Hühnern und Schweinen, die überall frei herumliefen, und umgeben von Regenwald. Zuerst haben wir den Tempel besucht, wo uns kleine Mönchskinder neugierig beobachteten. Dann haben wir einen Dorfbewohner getroffen, der uns angeboten hat die Nacht bei ihm und seiner Familie zu verbringen. Er, seine Frau und seine zwei kleinen Kinder wohnen in einem Haus, das eigentlich nur aus einem Raum besteht, wenn man das offene "Erdgeschoss" nicht zählt, wo die Tiere gehalten werden. Natürlich wurden wir auch direkt bekocht und mit selbstangebautem Tee und selbstgebranntem Schnaps versorgt. Es sollte noch ein lustiger Abend werden an dem wir, trotz Sprachschwierigkeiten, unsere Gastfamilie ein bisschen kennenlernen konnten. Am nächsten Tag haben wir dann die Zeit genutzt den Regenwald etwas zu erkunden. Leider war er nicht ganz so spektakulär wie wir ihn uns vorgestellt hatten - vor allem weil wir in der Trockenzeit da waren, aber vielleicht auch weil Hollywoodfilme uns unrealistische Erwartungen gegeben haben. Auch haben wir keine wilden Tiere gesehen, aber der Wald war sehr schön grün, wild und vor allem groß, mit jeder Menge Bambus und riesigen Urwaldbäumen.

Am Nachmittag haben wir uns dann auf den Rückweg nach Xiding gemacht - diesmal via der bequemeren Route, die aber auch um einiges langweiliger war. In Xiding angekommen, hätten wir dann fast kein Zimmer mehr für die Nacht bekommen, denn das einzige Hotel des kleinen Ortes schien ausgebucht. Zum Glück sind wir dann doch noch in einem Doppelzimmer mit zwei Pekinger Studentinnen aus Amerika und England untergekommen: es sollte nicht die gemütlichste Nacht unserer Reise werden, dafür aber die billigste und auch eine der lustigsten. Am nächsten Morgen haben wir dann den berühmten Donnerstagmarkt Xidings besucht (der Grund weswegen das Hotel ausgebucht war), der allerdings nicht so anders ist als der Jindinger Sonntagsmarkt, abgesehen davon, dass der Tee, Kaffee und Tabak, der hier verkauft wird, auch lokal angebaut wird.

 

Auf der Suche nach Blüten und einem Wasserfall

Unser nächstes Ziel war der botanische Garten in Menglun, denn hier hofften wir dank Bewässerungssystemen die ganzen Blüten zu finden, die wir im Dschungel so vermisst hatten. Und wir wurden nicht enttäuscht: auf einer riesigen Anlage konnten wir die vielfältigsten Arten von Tropenpflanzen bewundern, mitsamt Blüte bzw. Frucht. So gab es Kakteen, Palmen voller Bananen und Kokosnüsse, Bambus, Wein, Wasserpflanzen, Nutzpflanzen wie Kakao-, Kaffee-, und Latexbäume, riesige Urwaldbäume, Schlingpflanzen und Vieles mehr. Am beeindruckensten fanden wir eine Parasitenpflanze, die auf dem Stamm ihres Wirtbaumes wächst, diesen komplett umschlingt und schließlich abtötet, indem sie ihm die Wasserzufuhr abschneidet. Das Resultat ist ein riesiger, gewundener, hohler Baum: Irre!

An unserem letzten Tag in Xishuangbanna sind wir zu einem Wasserfall gewandert. Zufällig haben wir im Hostel zwei chinesische Touristen getroffen, Ben und Kristen, die auch dorthin wollten und so machten wir uns kurzerhand zu viert auf den Weg. Schnell war dann auch ein Tuctuc-Fahrer gefunden, der bereit war uns bis zum Fluss zu fahren - auch wenn im Nachhinein ein Minibus vielleicht die bessere Variante gewesen wäre, da die Fahrt doch länger (und kälter) war als erwartet. Einmal mussten wir sogar alle aussteigen und zu Fuß den Berg runter, da der Fahrer Angst hatte die Bremsen würden bei dem Gefälle und unserem Gewicht nicht funktionieren. Gut im Dorf angekommen sind wir dann dem Fluss für eine Weile stromaufwärts gefolgt, bis sich unser Weg auf einmal in Wohlgefallen aufgelöst hat. Da alle Versuche alternative Wege zu finden, die nicht schon nach kurzer Zeit in eine ganz andere Richtung abbiegen, gescheitert sind, sind wir dann einfach im Flussbett weitergewandert, denn am Rand des Flusses lagen viele Steine und Sand. Allerdings entpuppte sich dieses Unterfangen als nicht ganz so einfach wie gedacht, denn die Steine wurden seltener und so war einiges an Kletterkunst gefragt. Unnötig zu erwähnen, dass bis wir am Wasserfall ankamen, alle mindestens einmal ins Wasser gefallen waren, aber es war ein warmer Tag und niemand hat sich verletzt und somit war das Abendteuer perfekt. Der Wasserfall selber war auch wirklich schön und den Weg auf jeden Fall wert. Nachdem unser Tuctuc-Fahrer uns wieder sicher und todmüde nach Jinghong gebracht hat, hat Ben uns noch alle zum BBQ eingeladen: und mit "alle" meine ich alle, inklusive dem Tuctuc-Fahrer. Dieser war dann auch so nett und hat direkt seine ganze Familie mitgebracht. Lustig sind sie, die Chinesen!

 

In der Hauptstadt Yunnans

Unser letztes Ziel vor dem chinesischen Neujahr war Kunming, die Hauptstadt unserer Provinz. Eigentlich hatten wir uns nicht viel von ihr versprochen, waren nur für 3 Tage da und auch nur auf der Durchreise zu unserem Freund Milo, der uns über das Frühjahrsfest zu seiner Familie in die Nähe von Kunming eingeladen hatte. Aber wir waren überrascht, wie nett unsere Hauptstadt doch ist: belebt, aber nicht gestresst; groß genug für westliche Ketten wie Starbucks und Carrefour, aber klein genug, als das man gemütlich durch die Stadt schlendern kann und nicht ständig den Bus nehmen muss. Außerdem war das Wetter weiterhin sommerlich warm und so verbrachten wir ein paar sehr entspannte Tage in Kunming. Als erstes haben wir den Green Lake Park besichtigt, der vor Leben nur so strotzt: unzählige Möwen, Straßenkünstler, Musik- und Tanzgruppen, Händler und mittendrin natürlich die ganzen Touristen. Der Park besteht aus lauter kleinen Inseln und ist groß genug, als das man auch mal ein ruhiges Plätzchen fernab vom Trubel finden kann. Außerdem haben wir ein paar kleine Tempel besichtigt, waren im Yunnan-Museum, wo wir viele Minderheitentrachten bewundern konnten, bei ein paar Pagoden und natürlich ein bisschen in der Innenstadt und auf dem Nachtmarkt shoppen. Von McFlurry und Pizza bis zu regionalen Spezialitäten haben wir uns durchgeschlemmt und nicht schlecht gestaunt haben wir über den etwas skurrilen Blumen- und Vogelmarkt, der trotz des Namens noch jede Menge andere Tiere, wie Schildkröten, Katzen, Hunde, Schlangen, Spinnen, Skorpione, Fische und Nagetiere im Angebot hatte - leider zumeist in viel zu kleinen Käfigen. Abends haben wir zufällig in unserem Hostel vier weitere Freiwillige getroffen mit denen wir dann einen lustigen Abend mit viel Billiard, Bier und Trinkspielen verbracht haben.

 

Das Jahr der Schlange endet, das Jahr des Pferdes beginnt

Einen Tag vorm chinesischen Silvester sind wir bei unserem Freund Milo und seiner Familie angekommen, wo wir die ersten drei Tage des chinesischen  Neujahrs verbrachten. Obwohl Milo in Lanping arbeitet, kommt seine Familie aus einem kleinen Ort in der Nähe von Kunming, wo sie einen kleinen Bauernhof mit Hühnern, Schweinen und Reis-, Kartoffel- und Gemüsefeldern haben. Wenn ich von Milos Familie schreibe, meine ich in erster Linie seine Eltern, seinen Bruder, dessen Frau und ihren kleinen Sohn, die zusammen leben und bei denen wir wohnen durften. Innerhalb der nächsten Tage haben wir aber auch Milos komplette Verwandtschaft kennengelernt, die natürlich alle für das Frühjahrsfest nach Hause zurückgekehrt sind. Das Frühjahrsfest ist übrigens dasselbe wie das chinesische Neujahr: als China 1949 offiziell den gregorianischen Kalender übernommen hat, wurde es lediglich umbenannt, wobei sich die Chinesen weiterhin unbeirrt ein "Frohes Neues Jah"r wünschen. Während "unser" Kalender der wichtigere Kalender im Alltag ist, denn er gibt Schulferien, nationale Feiertage und Ähnliches vor, wird der traditionelle Mondkalender noch benutzt um Geburtstage und andere Festtage festzulegen. Da die jüngere Generation den Mondkalender allerdings auch nicht mehr so im Blick hat, führt das häufig dazu, dass sie ihren Geburtstag vergisst - der ist aber in China ohnehin nicht so wichtig wie in Deutschland, es sei denn bei kleinen Kindern.

Für Silvester wurden wir zu Milos Onkel eingeladen, wo sich die gesamte Verwandtschaft getroffen hat um ein riesiges Festmahl zu genießen (für das 2 Hühner und ein Schwein geschlachtet wurden): mit mindestens 30 Erwachsenen und jede Menge Kindern saßen wir in einem großen Raum in dessen Mitte alle möglichen Gerichte in Schälchen auf dem Boden standen, der mit Tannennadeln bedeckt war. Vor allem der selbstgemachte Yunnan-Schinken und die frittierten Teigbällchen haben es uns angetan und so fühlten wir uns schnell kugelrund. Nach dem Essen durften wir dann mit den Männern des Hauses eine Tee-Zeremonie durchführen, bei der die berühmtesten und besten Teesorten der Region zubereitet wurden. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass wir nicht die größten Feinschmecker sind, denn für uns schmeckten diese Teesorten nicht sonderlich anders als unser Supermarkt-Tee.

Außerdem wurde den ganzen Tag lang - und auch die kommenden Tage immer wieder - jede Menge wahnsinnig laute Chinaböller gezündet, die genug Krach machen sollten, um böse Geister zu vertreiben. Abends gab es dann aber auch hübsches Feuerwerk, wie wir das von unserem Silvester kennen. Auch in China bleibt man an Silvester bis Mitternacht wach, was aber zumindestens für unsere Gastfamilie eine Herausforderung zu sein schien, da Chinesen typischerweise schon sehr früh zu Bett gehen. Ein weiterer Brauch ist, dass die Jungen und Alten der Familie Neujahrsgeld von ihrer Verwandtschaft bekommen - leider sind die Chinesen da sehr streng mit, denn uns wurde es ausdrücklich untersagt Milos Neffen etwas zu schenken, denn nur die Familie darf das. Aber auch ohne unsere Hilfe hatte der Kleine am Ende des Abends fast 2.000 Yuan (ca. 240€) zusammen, denn chinesische Familien sind sehr groß und sehr großzügig.

Die nächsten Tage haben wir damit verbracht viel spazieren zu gehen, Milos gesamte Verwandtschaft und sogar seine Nachbarn zu besuchen, die alle fasziniert davon waren weiße Menschen mal live und nicht nur im Fernsehen zu sehen. Milo konnte uns viel über die chinesischen Bräuche und seinen Heimatort erzählen und hat uns stolz durch die Umgebung geführt und Allen vorgestellt. So hat er uns erklärt, dass die Spiegel, die oft an Haustüren befestigt sind, böse Geister abschrecken sollen, da diese sehr hässlich sind und ihr eigenes Spiegelbild nicht ertragen können. Außerdem werden zu Neujahr verschiedene Verse, Bilder und chinesische Zeichen aufgehängt, die entweder Glück bringen oder Böses fernhalten sollen. Am zweiten Tag des neuen Jahres ist es Tradition auf den Familienfriedhof zu gehen und den Ahnen zu gedenken. Da nur die Familie den Friedhof betreten darf, verbrachten wir den Vormittag mit Milos Neffen (da es gefährlich ist Kinder mit auf den Friedhof zu nehmen, denn wenn die Ahnen den süßen, kleinen Racker sehen, könnten sie ihn behalten wollen) vorm Haus in der Sonne.

Als dann der Tag unserer Abreise kam, hat uns die ganze Familie verabschiedet, einen Bus für uns angehalten, uns in den Bus gesetzt, den Fahrer bezahlt und ihm bescheid gesagt wo wir aussteigen müssen. Sie haben uns sogar einen Passagier gesucht, der an unserem Bestimmungsort auch zum Zugbahnhof musste und uns dann kurzerhand im Taxi mit dorthin genommen hat. Am Bahnhof angekommen stellten wir dann fest, dass Milo nicht nur unsere Karten reserviert hatte, wie wir ihn gebeten hatten, sondern sie gleich auch noch für uns bezahlt hat. Es ist wirklich unglaublich wie gastfreundlich Chinesen sind. Immerhin kannten wir niemanden aus der Familie außer Milo und unser chinesisch ist immer noch nicht gut genug, um uns wirklich mit ihnen zu unterhalten. Und dennoch nahmen sie uns in ihr Haus auf, bekochten uns - ja mästeten uns fast - nahmen uns überall mit hin und halfen uns wo sie konnten (Milos Mutter hat sogar meine Hose genäht, als sie gerissen ist). Uns haben sie es auf der anderen Seite kaum erlaubt ihnen auch nur kleine Geschenke zu machen, denn wir hatten etwas Schokolade und Jägermeister als Gastgeschenke mitgebracht. Wir hatten auf jeden Fall eine sehr schöne Woche bei Milo und sind sehr dankbar, dass wir das Frühjahrsfest mit ihm und seiner Familie feiern durften.

 

Der Drachenpalast

Nach unserem Besuch bei Milo haben wir einen Abstecher in die Nachbarprovinz Guizhou gemacht. Hier haben wir uns die Longgong-Höhlen und den dazugehörigen Park angeschaut. Alles begann mit einer kurzen Bootsfahrt am Fluss entlang, welches uns auf unseren Weg, hin zu besagten Höhlen, bringen sollte. Über Stock und Stein und felsige Treppen hinweg kamen wir am Tempel des Goldenen Lichts an, welcher, nun ja, sehr am Wohl der Betenden interessiert war. Gebete für Glück und zum Schutz der Familie waren gestern und die ganzen wichtigen Worte kann sich sowieso keiner merken - stattdessen kann man hier für nur 398 Yuan eine Kerze und damit Glückseligkeit für die eigene Familie pachten (egal ob 5 oder 274 Familienmitglieder, what a deal!). Noch besser ist aber das gesegnete Drachenräucherstäbchen für besinnliche 999 Yuan, welche für 68h brennen soll. Der in Tempeln angewandte Buddhismus kann in China leider häufiger wie reine Geldmacherei wirken, aber das man hier die Gläubigen so sehr abziehen möchte haben wir so auch noch nicht erlebt, unglaublich...

Der nächste Abschnitt unserer Route führte erstmals durch ein kleines Höhlensystem, welches aber nicht zum namensgebenden Höhlenkomplex gehörte. Dennoch schön beleuchtet und eine gute Eintstimmung für die Hauptattraktion. Im Anschluss nahmen wir ganz faul eine Seilbahn über ein kleines Tal - sehr abenteuerlich, besonders wenn man an das Klischee chinesischer Qualitätsstandards denkt =P

Danach fuhren wir dann mit dem Boot durch den ersten Teil der Longgong-Höhlen, mit schön beleuchteten Gesteinsformationen und Wasserspiegelungen. Wenige Minuten später fuhren wir sogar ein zweites Mal diesen Weg, da wir im Kreis gelaufen waren - Bötchenfahren ist immer toll!

Auf dem richtigen Pfad angekommen kamen wir dann auch sehr schnell zum zweiten Teil des Drachenpalastes, einer noch größeren befahrbaren Höhle. Kurz vor Ende unseres Tagestrips konnten wir noch einen großen Wasserfall bestaunen, bevor wir uns in Richtung Ausgang begaben. Nun mussten wir zurück nach Anshun, unserem Ausgangspunkt, um unseren Zug in Richtung Chongqing zu erwischen. Der Bus war voll bevor wir die Chance bekamen einzusteigen und so langsam wurde es zeitlich knapp. Zu unserem großen Glück traffen wir eine Familie, die uns mitnahm - vorher gab es noch ein schnelles Fotoshooting mit uns.

12 Stunden und eine unglaublich anstrengende und schlaflose Zugdahrt später fanden wir uns in unserer dritten Provinz, Chongqing, wieder.

 

In einer Millionenmetropole

Chongqing, unsere erste chinesische Großstadt, mit fast 30 Millionen Einwohnern (alles andere wären auch nur Peanuts). Leider merkte man der Stadt ihre Größe schnell an, da der Smog hier richtig dicht über der Stadt hing und man die Sonne fast erahnen musste. Nichts desto trotz hatte Chongqing auch viele schöne Seiten, so zum Beispiel ein Touristenviertel, auch Klein Hongkong genannt, welches vertikal in mehreren Stockwerken in eine Bergseite eingelassen war. Außerdem kreuzen sich hier der Jialing und der Yangzi Fluss, welche wir bei einer abendlich romantischen Bootstour befahren haben. Sehr interessant war das Museum über die Erbauung des Drei-Schluchten-Dammes und die damit verbundenen Umsiedlungs- und Kulturrettungsmaßnahmen. Über eine Millionen Menschen mussten zugunsten des Projektes ihre Heimat verlassen und hunderte an Kulturrelikten mussten den Standort wechseln. Das Ganze war hier und da sehr patriotisch angehaucht, sodass immer wieder erwähnt wurde, dass die Umsiedler alle freiwillig und zum Wohle des chinesischen Volkes weggezogen und inzwischen natürlich alle reich geworden sind. Wirklich spannend war der Besuch einer Luohan-Halle: diese Hallen beherbergen die Statuen vieler berühmter Mönche, Kaiser, Volkshelden und in seltenen Fällen sogar Ausländern und je nach dem bei welchem man landet, wird einem die jeweilige mögliche Zukunft vorhergesagt. Leider war das Ganze natürlich wieder mit religiösen Kosten verbunden, so dass wir uns einfach unsere eigenen Gedanken gemacht haben. Meine Figur sah auf jeden Fall nach einem glücklichen und gesunden Großvater, mit 2 Enkeln auf den Schultern, aus, prächtiger Bart inklusive. Ninjas Statue wirkte glücklich und weise. Zum Glück fanden wir uns nicht vor einem der lustigeren Kameraden wieder, die gerne mal grün, mit überlangen Augenbrauen oder mit zu vielen Gliedmaßen dargestellt wurden.

In der Umgebung der Stadt erkundigten wir den Bei Shan und die Drei natürlichen Brücken, riesige Gesteinsformatonen, die eine Art Torbogen bilden. Der Bei Shan ist ein Berg und berühmt für seine in Stein gemeißelten Statuen. Leider mussten wir feststellen, dass man den vor Wind und Wetter kaum geschützten Elemente ihr Alter doch schon gut ansehen konnte, so dass wir den Enthusiasmus unseres Reiseführers nicht so ganz nachvollziehen konnten. Dafür waren die Natürlichen Brücken ihren Besuch aber allemal wert. Diese Felsentore stellen die größte Ansammlung solcher Formationen in Asien dar und bieten mit ihren hunderten von Metern an Höhe, Dicke und Spannweite eine wahre Augenweide an der Schönheit der Natur.

 

Von Feuerspuken und Riesenlaternen

Die vierte und letzte Provinz unserer Reise war Sichuan, berühmt für scharfes Essen, Opern und Pandas. Unser erstes Ziel war die Hauptstadt Chengdu, in der wir zwei entspannte, wenn auch kalte, Tage verbrachten. Ganz untypisch für eine chinesische Großstadt ist Chengdu überraschend hübsch und relaxed. In der Innenstadt gibt es einen sehr schönen Park mit lauter Teehäusern, in denen man gemütlich sitzen, Tee trinken und das Geschehen im Park beobachten kann. Das Stadtzentrum wird von einer großen Mao-Statue überschaut, die aussieht, als würde sie grade ein Taxi herbeiwinken. Von den vielen Tempeln Chengdus haben wir lediglich einen besucht, da wir auf unsere Reise schon recht viele Gotteshäuser besichtigt hatten und sie sich doch alle sehr ähneln. Allerdings lag dieser Tempel an einer berühmten Touristenstraße, an der wir die Leckereien und Spezialitäten Sichuans probieren und ein paar Souvenirs erhaschen konnten. Am beeindruckendsten, wenn auch nicht am leckersten, fanden wir kleine Reismatschebällchen, die geformt, gegen eine Trommel geworfen, in ein Pulver geschleudert und schließlich in Sirup getunkt wurden. Dennoch hätten wir uns im Nachhinein vielleicht einen anderen Tempel aussuchen sollen, denn ausgerechnet in diesem gab es gratis (!) Räucherstäbchen, was zu einer wahren Räucherbude geführt hat. Wenn es was umsonst gibt, muss das ja schließlich ausgenutzt werden...

Am Abend haben wir dann eine Sichuan Oper besucht, was ein sehr cooles Erlebnis war und das obwohl wir so gut wie nichts verstanden haben. Aber der Held hat am Ende das Mädchen bekommen und das ist ja die Hauptsache. Zwischendurch wurden wir mit Feuerspucken, wunderschönen Kostümen und Kulissen, Tanzeinlagen, Akrobatik, Marionettenspiel und nicht zuletzt mit Rapid Face Changing unterhalten. Das Letztere bezeichnet das, wie von Zauberhand stattfindende, Vertauschen von Masken in Sekundenschnelle mit einer kurzen Kopfbewegung. Wirklich beeindruckend! Am zweiten Abend besuchten wir eine Laternenausstellung. Hier waren die Wege über und über mit den unterschiedlichsten Laternen behangen. Ein wirklich schönes Lichterspiel! Besonders imposant waren die riesigen "Laternen" in Form von Drachen, Pferden und Helden, welche lebensgroß oder größer aufgebaut waren.

 

Kung Fu Mönche und perfektes Feng Shui

Bevor es Richtung Süden und gen Jinding ging, machten wir noch einen kurzen Abstecher in den Nordosten der Provinz, zum Doutao Shan, einem Berg mit Kung-Fu Mönchen. Dies war eindeutig einer der kältesten Tage, mit viel Schnee und einer wahren Nebelwand, die einen atemberaubenden Ausblick ins pure Weiß bot. Auf der Spitze bzw. den Spitzen angekommen, hatten einige chinesische Touristen es geschafft, einen der Mönche dazu zu überreden den Balanceakt zwischen den beiden Spitzen trotz des Wetters zu wagen. Während der Mönch das Drahtseil überquerte vollführte er einige akrobatische Einlagen, was nicht nur wegen des Schnees, sondern auch wegen seines stattlichen Alters umso beeindruckender war. Nach unserer Bergtour machten wir uns auf nach Langzhong, der Stadt mit dem perfekten Feng Shui aufgrund seiner Lage zwischen Fluss und Bergen. Praktischerweise fanden wir ein Bett im Feng Shui Museum der Stadt: doppeltes Feng Shui hält sicher noch besser! Langzhongs Altstadt eignete sich wunderbar zum schlendern und bummeln und hier konnte man sich die traditionelle Produktionskette echter Seide von Beginn bis Ende anschauen. Die Seidenraupen, die aus ihren Kokons gepellt wurden, nachdem diese aufgekocht worden waren, sahen schon etwas alien-mäßig und ekelig aus. Trotzdem hat Ninja sich ein schönes chinesisches Seidenkleid erstanden. Interessant fanden wir auch die Essig-Brunnen, welche zum probieren anregten - unglaublich schlechte Idee, da es einfach nur richtig fies schmeckt...

 

Der größte Buddha der Welt und süße Äffchen

Von Langzhong aus machten wir uns auf den Weg in den Süden der Region und in Richtung des Dafo, des größten Buddhas der Welt. Der Dafo ist ein 71m hoher und in eine Felswand gemeißelter Buddha, welcher die Kreuzung dreier Flüsse überschaut. Erbaut wurde er im 8. Jahrhundert, um die reißenden Flüsse, welche viele Schiffsunglücke verursacht hatten, zu besänftigen. Dieses Ziel wurde letztlich auch erreicht, aber nicht etwa, weil die Statue die Götter besänftigte, sondern weil der anfallende Bauschutt das Flussbett aufschüttete und so die Stromschnellen begrub. Der Buddha ist auf jeden Fall wahnsinnig groß, das kann man sich gar nicht vorstellen und auch nicht so recht beschreiben: allein seine Ohren sind 7m lang, seine Augen sind 10m weit und auf seinem großen Zehennagel haben 6 Personen Platz!

Inzwischen hatten wir den 14. Februar, was für uns natürlich Valentinstag bedeutet, für die Chinesen in diesem Jahr allerdings das Laternenfest, welches den Abschluss des Frühjahrsfests darstellt. Gefeiert wird mit unzähligen Schwebelaternen, welche in Parks angezündet werden und sich dann in die Lüfte erheben. Ein wahnsinnig schöner Anblick und sehr romantisch, wie sich der Himmel so in ein Lichtermeer verwandelt.

Die letzte Station unserer Reise bildete Xichang, die Hauptstadt der Yi-Minderheit, welcher vor allem für sein Minderheiten-Museum und seinen Affenberg bekannt ist. Wir hatten eigentlich kaum erwartet wirklich Affen zu sehen, da auch andere Orte stark damit geworben hatten, aber sich die Tiere, wegen der vielen Touristen, anscheinend nur selten zeigten. Daher konnten wir unser Glück auch kaum fassen, als wir schließlich doch noch ein paar wilde Äffchen zu sehen bekamen. Und diese Affen waren wirklich alles andere als schüchtern, sondern wagten sich in unsere Nähe und ließen sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören. Unglaublich süß und zahm waren sie und man konnte ihnen Nüsse aus der Hand füttern. Ninja ist sogar einer auf den Kopf geklettert!

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Heimweg: nach insgesamt 16 Stunden Busfahrt und zwei Übernachtungen kamen wir endlich in Jinding an und waren überglücklich wieder "zu Hause" zu sein. Ein eigenes Bett und eine Stadt, in der man sich auskennt, ist schon etwas Schönes! Und so weit wir auch gereist waren: die besten Kartoffeln gibts in Lanping und keiner hat bessere Babas als die Straßenverkäuferin in Jinding =)

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