Schulmaterialien und Dinner for One

Kurz vor Jahresende konnten wir noch ein paar Schulmaterialien an eine Mittelschule in Tong Dian übergeben. Tong Dian liegt circa eine Stunde nördlich von Lanping und unsere Freundin Hailey hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass den Kindern zwar keine Kleidung, dafür aber Stifte und Bücher fehlen würden. Zum Glück hatten wir davon etwas auf Lager und wir konnten den Jungen und Mädchen einige Stifte, Schreibhefte und Schulranzen vorbei bringen. Am 30. Dezember begaben wir uns zu dritt, Leonard, Ninja und ich, im Taxi auf den Weg. Dort angekommen wurden wir - wie für China typisch - zum Essen eingeladen, bevor es ans verteilen ging. Da die meisten Schüler im Unterricht waren, konnten wir selbst nur an jeweils 5 Mädchen und 5 Jungen verteilen. Jeder von ihnen bekam eine neue Schultasche, ein paar Schreibhefte und Stifte von uns. Die Damen waren wie bei fast jedem Mal sehr wählerisch, während sich die Jungs wie eigentlich immer, an dem erfreuten, was sie bekamen :P

Die Verteilung in Tong Dian war, wie erwartet, sehr kurz und schnell, aber die Plan- und Ahnungslosigkeit der Lehrer und der Willkür, mit welcher sie die "bedürftigen" Schüler auswählten, lies uns doch daran zweifeln, ob unsere Materialien hier so wirklich benötigt wurden. Wir hatten uns dabei nämlich vor allem auf die Aussage von Hailey verlassen, da man als Außenstehender eher schlecht sagen kann, ob hier nun Stifte und Hefte gebraucht werden oder nicht. 

Am nächsten Tag war dann auch schon Silvester. Wir haben zusammen mit unserer Freundin Bob und ihrer Cousine gefeiert sowie mit den anderen Freiwilligen aus Lanping, indem wir, mit ihrer Hilfe, chinesische Dishes und anschließend deutschen Pudding gekocht haben. Zum Essen gab es dann verschiedene Gerichte, wie Fleisch oder gebratene Kartoffeln, aber auch Tausendjährige Eier waren dabei. Diese appetitlich klingende Form ein Vogelei zu servieren entsteht, wenn man Eier über Monate hinweg fermentiert:

 

"Zur Herstellung werden rohe Enteneier, seltener Hühnereier, für etwa drei Monate in einem Brei aus Anis, Szechuanpfeffer, Teeblättern, Piniennadeln, Fenchelkörnern, Salz, warmem Wasser, gebranntem Kalk, Holzasche sowie Sägespänen eingelegt. In dieser Zeit verwandelt sich das Eiklar in eine gelatinöse, bernsteinfarbene Masse, das Eigelb bekommt eine quarkige Konsistenz und verfärbt sich grün. [...] Tausendjährige Eier sind ungekühlt monatelang haltbar (bis zu 3 Jahre sind möglich)."

 

Klingt doch lecker! Schmeckt aber eher so, wie der erste Gedanke vermuten lässt... Nach dem Essen hatten wir und vor allem die Chinesen einen riesen Spaß beim Bleigießen, auch wenn sie immer wieder versucht haben, sich eine noch bessere Zukunft zu schmelzen. Im Anschluss wurde dann ganz traditionell Dinner for One geschaut und Bob und ihre Cousine konnten sich kaum mehr halten vor lachen :D

Als es dann auf Mitternacht zuging, begaben wir uns alle auf eine Brücke in der Nähe und tosteten uns mit Bier zu und feuerten Raketen in das neue Jahr. Allerdings feiern die Chinesen kein Silvester, sondern Neujahr, sodass neben uns anscheinend nur eine weitere Gruppe etwas Feuerwerk in die Luft schoss. 

Den 1. Januar feierten wir dafür im KTV, in das uns ein chinesischer Lehrer von Leonard und Fidel eingeladen hatte. Hier wurde zwar eher weniger dem neuen Jahr, als der aktuellen Gesangsbeigabe gedacht, aber es machte dennoch viel Spaß.

Gerade im neuen Jahr angekommen, da veranstaltete unsere Schule schon eine kleine Talentshow, in der die Schüler traditionelle Minderheitentänze der Bai, Yi und Pumi, aber auch moderne Einlagen zu Songs von Britney aufführten. Auch die Lehrerinnen hatten einen Tanz vorbereitet und es gab sogar eine Breakdance-Gruppe; abgeschlossen wurde das Ganze mit einem sehr patriotisch angehauchten Theaterstück, in welchem spielende Kinder von verwundeten Soldaten und Fahnenschwingern abgelöst wurden.

Ein paar Tage später hat uns unser chinesischer Freund Milo zum Jiaozi Machen eingeladen. Jiaozi sind chinesische Nudelteigtaschen gefüllt mit Fleisch und Gemüse. Sie erinnern ein wenig an Ravioli oder Mini-Maultaschen. Jede einzelne Tasche wird dabei von Hand gefüllt, eingeklappt und zugedrückt, was mehr Übung erfordert als man vielleicht denkt. Wir haben uns aber wacker geschlagen und Freddy wurde zum Besten Jiaozi-Macher gekührt (die Chinesen waren außer Konkurenz). Anschließend werden die Jiaozi dann gekocht oder gebraten und - wie könnte es anders sein - mit einem scharfen Dipp vezehrt. Insgesamt eine sehr leckere und lustige Angelegenheit, aber auch ein bisschen aufwendig.

Inzwischen sind wir schon bei unseren Reisevorbereitungen für die kommenden Frühjahrsferien angekommen und müssen uns nun entscheiden, welche Route wir grob einschlagen wollen. Wir möchten auf jeden Fall so viel wie möglich sehen und mitnehmen, von Yunnan, aber auch von den umliegenden Provinzen, Sichuan, Chongqing und Guizhou. 6 Wochen werden wir insgesamt unterwegs sein - im März melden wir uns also wieder mit vielen tollen Bildern und Berichten.

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