Weihnachten in Dali

Die Weihnachtstage haben wir in Dali verbracht, einer Stadt die ungefähr fünf Stunden südlich von uns liegt. In diesem Touristenhort haben wir endlich noch einmal westliches Essen genießen können, denn auch wenn das chinesische Essen gut schmeckt, so ist das kulinarische Angebot vor Ort doch relativ begrenzt. Durch Pizza und Steak gestärkt konnten wir uns also an die Erkundung dieser schönen Stadt begeben. Dalis Altstadt weist traditionelle chinesische Baukunst, mit geschwungenen Dächern und kunstvollen Verzierungen auf. Auch wenn die meisten Gebäude hier Souvenir Shops oder dergleichen sind, so bietet das Straßenleben doch ein angenehmes Flair. In der Nähe des alten Dali befindet sich auch die Neustadt, Xiaguan genannt. Diese wartet mit modernen Hochhäusern und einem amerikanisch angehauchten Walmart auf, in dem es neben richtigem Brot auch Leckereien à la Kinder Schokolade und spanischem Orangensaft gibt.

Der Er Hai See verbindet diese beiden Städte und besitzt einen Umfang von 90 km. Diese Strecke haben wir mit gemieteten Fahrrädern in Angriff genommen, haben uns aber mit den ersten 20 km zufrieden gegeben. Die so gewonnen Aussichten auf und über den See waren die Anstrengungen aber allemal wert. Neben unserer Radtour haben wir uns auch den Guan Yin und den Gantong Tempel angeschaut. Diese befinden sich auf dem Weg hinauf auf den Cang Shan, eine enorme Bergkette, die sich im Westen Dalis entlang zieht. Die beiden Tempel sind dem Buddhismus gewidmet und bieten eine völlig andere Atmosphäre, als unsere Gebetshäuser. Während die typischen Kirchen sehr dunkel und verschlossen sind, so waren diese Tempel das genaue Gegenteil: Voller Farbe und Sonnenschein, durch ihre offene Bauweise, mit Innenhöfen, Gärten und kleinen Bachläufen, die die einzelnen kleineren Gebäude miteinander verbinden. Die buntbemalten und kunstvoll geschnitzten Holzhallen beherbergen die Götterstatuen - von freudig grinsenden Buddas über angsterregende Kriegsgötter - denen Obst oder auch schon mal eine Flasche Eistee geopfert werden.

Nachdem wir die wunderschöne Baukunst bewundert und ein paar Räucherkerzen entzündet hatten, begaben wir uns an den Aufstieg zum Cang Berg. Zumindest an die ersten Meter, denn den wirklich weiten Weg hinauf unternahmen wir mit Hilfe einer österreichischen Seilbahn, was uns noch immer über 20 Minuten kostete. Oben angekommen konnten wir einen zugefrorenen Bachlauf entlang, sowie an steilen Hängen und Schluchten vorbei wandern und die tolle Aussicht ins Tal hinunter genießen. Einmal wären wir sogar fast den Berg runter gewehnt worden, so stürmlich war es teilweise in diesen Höhen! Zur Zwischenpause gab es ein typisch deutsches Käsebrot, mit Börtchen und Emmentaler Käse aus einer von deutschen gegründeten Bäckerei. Was in Alemania nichts Besonderes ist, war hier im fernen China der Inbegriff aller Köstlichkeiten - richtiges Brot, mit richtigem Käse! Als wir am 9 km Punkt des 15 km langen Wanderweges ankamen, war es leider schon stockduster geworden. Hier konnten wir uns zum Glück an den Abstieg, wenn auch unbeleuchtet, über hunderte von Stufen begeben. Erschöpft aber glücklich kamen wir wieder in Dali an (wobei wir das letzte Stück des Weges getrampt sind) und gönnten unseren Füßen eine kleine Massage. Dabei steckt man seine Füße in ein Becken voller kleiner Fische, die sogleich anfangen einem die Haut(schuppen) vom Leib zu fressen - sehr entspannend, aber auch leicht kitzelnd. 

Für den nächsten Tag war ein Ausritt in die Natur geplant. Dazu wurden wir von Einheimischen mit einer Gruppe Pferde abgeholt. Während Ninja sehr erfahren im Umgang mit Pferden ist, so war es für mich das erste Mal im Sattel. Über Stock und Stein, denn die Strecke war äußerst schwierig, trugen uns die sehr trittsicheren Tiere, bis hin zu einer Terasse hoch über der Stadt. Von hier konnte man einen tollen Ausblick genießen, bevor es zu einem abgelegenen Wasserfall in einer Felsspalte weiterging.

Den eigentlichen Weihnachtsabend verbrachten wir vor einem kleinen, aber schön geschmückten Bäumchen im Hostel in aller Gemütlichkeit. Als wir uns danach in die Innenstadt begaben, wurden wir Teil eines sehr seltsamen Spektakels: Im Sinne der Weihnachtstage waren die Straßen weiß, aber nicht etwa von einem plötzlichen Schneefall, sondern von Unmengen an Schaumspray. In Dali ist es nämlich anscheinend Brauch, sich mit solchen Spraymitteln zu bewaffnen, um sich dann gegenseitig von oben bis unten damit einzusprühen. Wir waren natürlich sofort mittendrin und teilten gut aus, steckten aber noch viel kräftiger ein, da wir als Ausländer begehrte Ziele zu sein schienen. 

Unsere Tage in Dali waren ein toller Ausflug und eine gute Ablenkung von den Gedanken an Weihnachten zu Hause, denn so schön es auch war, ganz so wie daheim war es dann leider doch nicht.

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