Neues aus Jinding

So liebe Leute, jetzt melden wir uns auch noch mal. Was haben wir die letzten 2 Wochen so getrieben? Am 19.9 bzw am 15.8, nach dem Mondkalender, hatten wir gleich zwei Dinge zu feiern: das Mittherbstfest und Ninjas Geburtstag. Zur Feier des Tages gab es neben tollen Geschenken und jeder Menge Moon-Cakes, ein BBQ auf chinesische Art, mit viel Gemüse und Heuschrecken zum selber grillen. Zuerst war das Verspeisen von Insekten "mit Haut und Haar" oder besser "mit Kopf und Beinen" noch etwas ungewohnt, doch nach zuerst zierlichen Probierhäppchen, schlugen wir alle gut zu, von dem leckeren Chips-flavour angetan.

Ein paar Tage später machten wir uns daran unseren ersten Berg zu besteigen. Der ErWuShan oder auch der 25. Berg wartete auf uns mit seinen über 1300 Stufen bis zum Gipfel. Stufen? Stufen! Denn die Berge in China werden häufig mit Treppen ausgestattet, um die hochgelegenen Tempel und Gebetsstätten besser erreichen zu können. Der Ausblick war den anstrengenden Aufstieg aber allemal wert und auch der wunderschön verzierte Tempel ließ uns nicht schlecht staunen.

Inzwischen hat auch die neue Mensa ihre Pforten geöffnet, eine größere Essensauswahl gibt es nicht, dafür sind die Schüler aber in Zukunft vor Wind und Wetter geschützt. Das neue Duschgebäude hat bisher leider noch nicht geöffnet, auch wenn ein erster Blick ins Innere einen doch sehr fertigen Eindruck vermittelte.

Übrigens sind wir nun auch endlich polizeilich registriert, weswegen wir aber zunächst noch Passbilder machen lassen mussten. Die Auswahl des Hintergrundes bestand dabei aus typischem weiß, kommunistischem rot und einfachem blau. Nach dem Fotoshooting gab es sogar eine schnelle Bildbearbeitung oben drauf. Da die Chinesen so sehr auf weiße Haut stehen, gibt es für jeden eine Taintaufhellung dazu. In unserem Falle führte es dazu, dass wir nahezu elegant mit dem Hintergrund verschmolzen. Da mussten wir dann doch ein wenig lachen.

Letztes Wochenende begaben wir uns auf unsere zweite Mountain-Tour. Nach SanChongShan sollte es gehen, geschafft haben wir es aber nur ins Nachbardorf. Die erste Etappe nahmen wir mit dem Taxi, eine 20-minütige Holperfahrt bis auf 2780 Höhenmeter. Ab dann ging es zu Fuß und meistens Querfeldein weiter. So schlugen wir uns duch das Dickicht, um schließlich bei ein paar einfachen Hütten anzukommen. Dort besuchten wir Freunde von Maik, einem Ehemaligen Freiwilligen, der diesen Monat Urlaub in Lanping gemacht hat. Die Menschen hier leben noch einfacher als in der Stadt und versorgen sich durch einen kleinen Bauernhof selbst. Hühner, Schweine und ein Pferd laufen munter über den Hof, Zäune oder Leinen gibt es nicht, denn wohin sollen die Tiere schon laufen. Wie in China üblich wurden wir auch zum Essen eingeladen, die Kinder des Hauses bereiteten direkt bei unserer Ankunft Süßkartoffeln aus eigenem Anbau über offenem Feuer zu. Die Feuerstelle befand sich in einer kleinen Lehmhütte mit offenem Dach, damit der Rauch abziehen konnte. Daneben gab es noch Ställe und eine kleine Betonhütte, die der Familie als Schlafplatz diente. Toilette oder Dusche suchte man vergebens, das einzige Wasser kam aus einem Wasserhahn vor dem Haus.

Am selben Tag wurden wir abends in's KTV, eine Karaoke-Bar, eingeladen. Der Kontrast hätte kaum krasser sein können. Während wir am morgen noch die einfachsten Verhältnisse kennengelernt hatten, wurde uns hier der neue Reichtum Chinas präsentiert: Ein Privatraum mit Marmor- und Goldverzierungen, einem Kellner und einer großen Leinwand. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unsere ersten chinesischen Trinkspiele kennenlernen, die übrigens sehr lustig sind. Beim Karaoke geht es den Chinesen nämlich zum einen darum aus vollster Inbrust chinesische Schnulzen zu singen und zum anderen darum möglichst viele Biergläser zu exen. Alleine trinken oder nur am Glas nippen geht gar nicht. Wer trinken möchte braucht einen Trinkpartner und hat sein Glas mit einem Schluck zu leeren.

Natürlich sind wir hier aber nicht die ganze Zeit am feiern, nein, auch die Projektarbeit schreitet langsam voran. Nachdem Kleidercontainer und Hygieneboxen das erste Mal geleert und der Inhalt gezählt und sortiert wurde, machten wir uns daran diese auszubessern. Die Hygieneboxen wurden mit Schanieren und Schlössern versehen, um sie sicherer zu gestalten und der Kleidercontainer wurde mit Silikon abgedichtet, um die Feuchtigkeit draußen zu halten. Ab morgen werden dann weitere Hygieneboxen gebastelt und an neuen Orten aufgestellt. Außerdem sind wir dabei unsere erste Kleiderverteilung in Zhong Pai zu planen.

Drückt uns also die Daumen, wir melden uns wieder.

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